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In der Kaschemme

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

In der Kaschemme.

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An einen der Spieltische drängte sich in brutaler Weise der Zuchthäusler heran. Gleich nach seinem ersten Spiel erhob sich einer, bald der zweite — der dritte — und der Zuchthäusler saß allein am Tisch. Mit ihm wollte niemand etwas zu tun haben. Er war ihnen zu gewalttätig.

Und wenn sie selbst auch manchmal sich so gewalttätig gaben — das war eben mehr Neuommage und Unterhaltungsbedürfnis, als echte, innere Roheit.

Charakteristisch erschien mir auch folgende Unterhaltung:

An eines der wie ein solides Arbeiterehepaar ihr mitgebrachtes Abendbrot verzehrenden Paare trat ein junger Mensch heran:

„Na, Liese — sage mal, was suchst Du denn in dem Kaffee Kaiserkrone? Da verkehrst Du doch sonst nicht."

Das Mädchen wurde blaß, so weiß, wie der Teller, auf dem ihr Essen lag. Es wollte nicht gerade abstreiten. Aber es tat, als könne es sich nicht besinnen, je in dem Kaffeehaus gewesen zu sein.

Der junge Mensch sagte: „Ich habe Dich doch gestern Abend gesehen. Du warst auch nicht allein . . . Soll ich Dir sagen, mit wem sie zusammen war?" fragte er ihren Liebhaber.

Der hatte, ohne ein Wort zu sagen, sie nur mit inigen raschen Blicken seiner grauen Augen gestreift, und sagte:

„Ach — laß sie — ich kenne sie ja . . . Streite nicht ab!" fuhr er sie au, als sie sich verteidigen wollte.

Nachher umschwärmte sie ihn mit Zärtlichkeiten, dankbar für seine Nachsicht. ... Er wußte ja genau, daß sie mit einem seiner Freunde ein Freundschaftsverhältnis hatte. —

6*

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