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In der Kaschemme

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

lich sind blos 'n Paar Fund da — und Se könn'n wieder losjehn!" meinte eine andere.

Und eine dritte, eine aufgeschwemmte Frau, die sich an die Hauswand lehnte und mit den Händen ein großes Tuch um die Schultern hielt, sagte wehmütig:

„Ja — wie oste schon! — Und wenn man nich srieher kommt — denn is't schon vorbei. Un denn hat man sor umsonst im Dreck un in de Kälte jestand'n.. .. Det is't eigentlich jarnich Wert, so lange bei Hefter'n oder bei Mackeldey oder bei Staatz'n zu warten."

„ Na — sagen Se det nich — de schöne sähmige Sauce — die is't schon alleene Wert, det man 'ne Stunde herloost un hier wartet," sagte eine Frau mit schmatzender Zunge.

„Na — un bei eenen Schlächter — da jieb'L ja uff jedet Fund ’u Schweineschwanz!" piepste ein Mädchen von zwölf Jahren dazwischen.

„Wat — ein' Schweineschwanz?!" machte die kleine Alte erstaunt.

Mehrere wollten ihr erregt antworten. Da wurde mit Gepolter die eiserne Rolljalousie vorm Ladeneingang hochgezogen. Alles drängte drauf los. Die Vordersten quietschten und schrien.

Ein Schlächtergeselle trat heraus:

„Heut jiebt's keeu Knochenfleisch!"

Die Meisten zogen betrübt und bestürzt ab. Nur die robuste Frau schimpfte und zankte:

„Det hätten Se schon längst sagen können! Unsere Zeit is ooch keen Katzendreck!"

Dann ging sie den Andern nach — an den Häuser-wänden entlang aus dem eleganten Viertel schlürfend....
        
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