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Abfälle

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

56 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

Eine kleine, zusammengeschrumpfte alte Person geht vorbei, sich in einen dünnen schäbigen Sommerumhang hüllend. Ihr rotes Gesicht starrt neugierig auf die Menge:

„Was ist denn hier? Was?"

„Knochenfleisch jiebt's hier! Wat weiter? — Det müssen Se doch sehn. Wir stehn doch hier bei Staatz'n!"

Der kleinen Person läuft das Wasser im Mund zusammen. Und sie läßt sich erzählen, daß dies Fleisch für eine große Delikatesse gilt — wenn es auch zu vier Fünfteln aus Knochen besteht. Bei dem kleinen Schlächter erhalte man es nicht, da würden doch keine großen Braten gekauft. Das Knochenfleisch, das auch Stückenfleisch genannt wird. gibt es nur in den großen Schlächtereien der westlicheren Stadt. Es sind eigentlich nur Knochen, die aus großen Braten und aus dem Wurstfleisch getrennt werden. Es wird auch nicht zu jeder dem Kunden beliebigen Zeit verkauft. Nein, die Knochenfleisch-Käufer müssen sich zu der Stunde einfinden, die der Schlächter-meister festsetzt.

„Wir passen doch nich mang die andere Kundschaft!" meinte eine der Frauen, die mit knochigem Gesicht robust dastand und andere erzählen ließ.

„Na, wenn das nur Knochen sind, denn verschenkt der Meister das doch — so ein reicher Mann!" meinte die kleine Person mit einem Blick auf die hohen, mit grünen Blattpflanzen ausgeschmückten Schaufenster, aus denen der helle Marmor des Gewölbes herausblinkte.

„Hat sich wat! Fünfunddreißig Fennje for't Fund! Immer blank uff'n Disch! Oder Se könn'n sich die eigenen Knochen schmoren lassen. Jawoll — un wo anders kost't schon vierzig un fufzig Fennje!" antwortete die robuste Frau.

„Utt wenn Se stundenlang jewart't haben — schließ-
        
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