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Abfälle

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

____________________________Abfälle.________________55

der nach der Küche führt. Alles hält die Gefäße hin: Emaileimer ohne Henkel, irdene Töpfe, denen der Schnabel abgeschlagen worden ist. Weißbiergläser. Schüsseln — und Konservenbüchsen. . . .

Der dreiste Junge kommt als einer der Letzten hinein — und muß mit leerem Eimer abziehn — die Neberbleibsel reichten nicht weiter.

Mit flinken Beinen schnellt er über den Fahrdamm, den Eimer schlenkernd; seine kleine Schwester bleibt heulend zurück. Aber er jagt, um den andern zuvorzukommen. Und so ist er einer der Ersten, der um die Ecke biegt und zur Kaserne hinüberspringt.

Auch dort steht ein dichtgedrängter Haufen vor dem Tor. Auch wieder zittrige Greise, gebrechliche Frauen, schwächliche Kinder. Aber hier kommen alle befriedigt heraus mit vollen Gefäßen.

Das kleine Mädchen kannte schon den Weg zur Kaserne. Der Junge ist herausgekommen, hockt sich auf die Bordschwelle, setzt den großen Mmer an und trinkt die Erbsensuppe glühend heiß hinein in den knurrenden Bauch. Da kommt schon seine Schwester, noch Tränen in den Augen und auf den schmierigen Backen — und reißt ihm gierig den Eimer fort. —

* *

*

In einer Straße, die nach dem Westen führt. Nach-mittags vor vier Uhr. In der Mitte der Häuserreihe, vor einem großen Schlächterladen hat sich eine Schar angesammelt, die hier. in dieser vornehmen Straße, sonderbar genug aussieht: alte und junge Arbeiterfrauen und Kinder. Alle mit Marktkörben oder Einholtaschen. Die Kinder sind in alte Kleidungsstücke eingemummelt und haben doch blasse Gesichter von der Kälte, die das Pflaster bleich und blank gemacht hat. Mancher Rock der Frauen ist geflickt, aber sauber und ordentlich.
        
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