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Abfälle

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

54 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

ihre kleinsten Geschwister an der einen Hand halten und mit der andern krampfhaft einen großen alten Küchen-eimer umklammern. Jungen und Mädchen ohne Schuhe, in zerfetzten Hosen und Kleidern. Viele mit dem der-hungerten Gesicht und dem kecken lauernden, listigen Blick der großstädtischen Armelentskinder.

Der Eine, ohne Jacke, hager, sehnig, mit der-schrammtem Schlägergesicht, weiß sich mit seinen schmalen Schultern geschickt vorzudrängen. Die alten, verschrumpelten, gebrechlichen Frauen machen ihm still Platz. Nur eine murrt. Zäh, dürr, vertrocknet, steht sie da wie ein kahler Baum. Sie überragt alle. Ihre grauen Haarsträhnen hängen um eingefallene Backen. Ein grellgrünes seidenes Band um den sehnigen Hals scheint auf bessere, flotte Tage zu deuten, die nun in Elend, Kattun und Lumpen endeten. . . .

Mit gekrümmten, zittrigen Fingern greift sie nach dem Jungen. Und ihre rote Zunge müht sich, aus dem zahnlosen Mund Worte hervorzubringen, Scheltworte.

Aber nur rauhe, blabbernde Hauchtöne kommen hervor.

Doch die machen einige vorn an der Tür stehende Männer aufmerksam. Ein kleiner Weißbart dreht sich um. Seine triefigen Augen durchschauen den Vorgang — und mit seinen greisen Händen faßt er den Jungen in die blonden Haare und zerrt ihn Schritt für Schritt heraus aus der Menge. Die andern Greise geben ihm Recht. Nur einige Frauen entrüsten sich:

„Nee — doch — der Kleene — wie kann man so jrob sind!"

Der Junge quietscht laut, als er das hört.

Das bringt eine Alte auf. Mit hochrotem Gesicht packt sie den Mann am Arm. Aber — da klappt das Schloß in der Tür — alles drängt hinein in den Gang,
        
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