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Abfälle

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

erleuchtete Halle. Doch es ist nichts von draußen zu erkennen. Nur an dem Geruch, der herausquillt, merkt sie, daß heute viele Bücklinge verhandelt werden. Der Bücklingsgeruch unterdrückt den Kohl-, Apfelsinen« und Fischdunst fast gänzlich. Bücklinge — in Bücklingen hat sie das meiste Geld verloren — durch ihren Mann. Des Morgens ist der Geruch am schönsten. Da ist noch alles frisch. Und sie ist jeden Morgen da, um diesen Geruch einznsaugeu. Das ist ihr so notwendig, wie andern das Rauchen und Essen.

Und wenn die Wagen nach und nach fortfahren, wenn die Straße wieder leerer wird, geht sie umher und sucht das auf, was bei dem Aufpacken verloren gegangen ist. Hier liegt ein angestoßener Apfel, dort mehrere frische Kohlblätter und drüben sogar ein grüner Hering. Alles packt sie in eine Kiepe, die sie unter dem Arm trägt. — So streift sie um die Markthalle herum, die

Abfälle auflesend, Tag für Tag, Morgen für Morgen.-------------

* *

*

„Nu man nich zu dichte, nich zu dichte ran!"

„Nee doch — heite brauchen wir uns nich an'nander zu wärm'n!"

„Na, nu kommt 't uff die Paar Jrad och nich an. Wo schon dreißig im Schatten sind!"

Fast der ganze Haufen lacht, der da dichtgedrängt vor der Seitentür des Krankenhauses steht. Gegen die gelbe Verblendsteinmauer prallt die grelle Sonnenglut. Vom Asphaltpflaster steigt eine dunstige Hitze auf und mischt sich mit dem Geruch, der aus dem Menschenhaufen aufsteigt. Dieser Geruch alter Kleider, dumpfiger Keller und stickiger Küchen, den arme Leute mit sich herumschleppen. Menschen aller Altersklassen drängen sich da zusammen vor der Tür. Kinder von sechs Jahren, die
        
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