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Abend im Scheunenviertel

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

46 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

zu können. Alles Bengels mit zähen, bartlosen Gesichtern, tiefliegenden Augen, frech verzogenem Mund und über die Stirn gedrückten Mützen und Hüten.

An einem grauen Hause große Reklameschilder:

„Zum Kaiser der Sahara".

Die alte Stiege ist durch eine Eisentreppe ersetzt. An den ungestrichenen Wänden riesengroß empor zum ersten Stock:

„Restaurant." Und neben dem Eingang eine Tür mit der Aufschrift: „Zum Rechtsbureau." Im Lokal natürlich Damenbedienung und ein „elektrisches Piano." Und fragt man, was das für ein Rechtsbureau ist, so antwortet die freundliche Kellnerin: „Das gehört doch unserem Wirt! Ja, das ist überhaupt ein schlauer Kopf! Wenn Du Dir mit dem unterhältst, — da kann ich Dir sagen, von dem kannste wat lernen. . . . Ueberhaupt — wenn De wat wissen willst — so 'ne gelegentliche Frage — dafor nimmt er nischt. . . .

In diesen Straßen wird es nicht stiller, wenn auch um elf Uhr viele Kneipen schließen müssen. Da kommt gerade so ein Trupp stämmiger Kerle aus einem Lokal. Elegant gekleidet — und doch sieht man an den grauen Linien um den Mund, daß es Zuhälter sind. Sie verhöhnen brutal ein altes Weib, das in der Mitte des Fahrdammes, den Oberkörper nach links gebogen, vorüber schlürft. Sie geht nur in schlampigem Rock und zerrissener Taille. Die Haarsträhnen und Zopfenden bammeln ihr wirr um das gelbe Gesicht, aus dem trunkene Augen flackern. Sie schreit den Zuhältern zu:

„Ich will von Euch nichts mehr wissen! Fünfzig Jahre bin ich, fünfzig! Laßt mich! Laßt mich! . .

Schimpfend geht sie weiter.

Drei thüringische Harfenistinnen hasten die Straße entlang, in ein Lokal hinein. Das Geklimper der Harfen
        
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