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Abend im Scheunenviertel

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

42 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

noch so ein bischen von jenseits der Grenze. Peißchen, Stulpstiefel — auch der Kastan ist hier zu sehen.

Am meisten prägt sich das alles in den koscheren Destillen aus. Jüdische Stehbierhallen, Fremdenlogis. Parterrelokale. Mehrere Stufen hinauf. Alles so, wie in gewöhnlichen Destillen. Der Schanktisch mit dem blanken Bierapparat. Die Regale mit den blinkenden Schnapsflaschen, Zigarrenkisten, Brotkörben, Wurstenden. Nur — die Menschen so ganz anders. Aufgeregtes Wesen. Dunkle Augen. Und ein Gerabbel kommt aus den wulstigen Lippen, die rot in bleichen Gesichtern glühen . . .

„Willste mer nich glooben, laßte es bleiben!"

Und zornig steht ein Mann auf, der von Amerika erzählt hat, wo er selbst gewesen sein will.

Die Andern lachen. Sie wissen, daß er drüben war. Aber es macht ihnen Spaß, ihn einen Lügner zu nennen. Und er weiß, daß ihnen das Spaß macht — läßt sich aber immer wieder aufregen — dieser Mensch mit dem weichhaarigen, lockigen Bart, der babylonisch geschnitten ist.

Im Zorn will er dem Wirt Geld in die Hand geben.

Aber der schimpft:

„Weißte nich — heute is Schabbes?!... Leg nur hin! ... Ich nimm doch heut kein Geld!"

Und murrend geht der Wirt. der immer mit dem Hut auf dem Kopf herum läuft, hinter den Schanktisch. Nach einem Weilchen kommt das Dienstmädchen aus der Küche und streicht das Geld ein. Der Wirt verfolgt sie mit Luchsaugen, rechnet alles zusammen — wehe, wenn sie ihm morgen nicht auf den Heller abliefert . . .

In einer andern Destille steht im zweiten Raum ein Billard. Es ist eng umdrängt von lauter jungen Burschen. Dem einen sieht man an, daß er erst vor
        
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