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Die bunte Ecke

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

Oberkörper, und versteht nicht, warum man ihm kein Gläschen mehr einschenken will. —

Da huschen sie in Abendmänteln und Spitzentüchern und dünnen Jacketts hastig vorbei und hinaus — die kleinen Augen der Gäste blicken bedauernd und mit lächelnder Entsagung auf die dunkelrote, zitterndePoxtiöre, hinter der sie verschwanden — bepuderte Gesichter — weiße Schultern. Und draußen umflüstert es jeden: „Na, Schatz?"

Und selbst in der toten Novalisstraße lockt es zärtlich. Hier sind andere Farben lebendig. Vor verhängten Kneipensenstern baumeln rote und blaue Kugeln, gegenüber einer schwarzgrünen, hohen, kahlen Fabrikmauer. Hier und da ist der Putz von ihr abgefallen. Wie wenn er die Schande der Gegend symbolisieren wollte. Widerwärtig sieht diese graue, kahle Hinterwand aus — wie wenn sie den Aussatz hätte — und voll ekelhafter Narben dastünde —, das Symbol des Viertels, durch dessen sämtliche Straßen es flüstert:

„Na — Schatz? . .

Hinten, vor dem Ausgang der Straße, weitet sich die Halle des Stettiner Bahnhofs über elektrischen Kugeln. Von da aus geht es vorbei an den letzten Häusern — Wald, Felder, Hügel, Niederungen, Wald

und Busch — die See! — frische, klare, salzige Luft---------------

Aber hier riecht es nur nach verdorbenem, süßlichem Parfüm. Und endlos ist die Kette der Mädchen, die ringsherum laufen um das Viereck — oder einen Abstecher machen in die Nebenstraßen — wo überall diese bunten Laternen vor verhängten Kneipensenstern leuchten und locken. Wenigstens alle zehn Schritte streift so ein geschminktes Gesicht vorbei, lächelnd, geschäftig, zärtlich flüsternd:
        
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