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In der Passage

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

In der Passage.

27

Dichte Reihen sonntäglich geputzter Menschen schieben sich hinein in die Halle. Die Schaufenster sind alle geschlossen. Nur das Panoptikum zeigt seine Wachsfiguren-gruppe. Kahler und nüchterner sieht's jetzt hier aus. Aber nur die Wände mit den Jalousien.

Die Menschen, die jetzt dicht gedrängt nebeneinander hindurch schlürfen, langsam, spazierend, wie man eben Sonntags geht, sind um so fröhlicher, mit all dem Glanz und der Frische, die der arbeitsfreie, geschäftslose Tag ausstreut.

Fast nur junge Leute.

Kommis, Buchhalter — Studenten — Lehrlinge.

Und junge Mädchen. Mit bunten Hüten, Schleifen, Glacees, ganz nobel.

Besonders die ganz jungen, die kaum ihr Kon-sirmandenkleid ausgezogen haben, ja, die oft noch mit dem schwarzen Kleid der Einsegnung herumlaufen — zum ersten Mal in langen Röcken — und „auf Busen gearbeitet", der noch nicht da ist . . .

Vier von den jungen Leuten halten sich dicht hinter einer Reihe dieser lieben Dinger mit den Schleifen in den Zöpfen. Halb spöttische, halb verliebte rüplige Rempeleien:

„Ach, Fräulein — mir stoßt einer von hinten!" meint ein Bursche, der ihr seinen Ellbogen in die Seite gerannt hat.

Sie sieht ihn von oben bis unten an. Er weicht lachend zurück — und schreitet dann gravitätisch hinter-her mit seinen Kollegen, die alle keck die Hüte auf den Ohren haben, die Jackets nur unten zuknöpfen und oben die Rechte Hineinschieben, die gespreizt grelle Hand-schuhe hält.

So geht's mehrmals auf und ab.
        
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