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In der Passage

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

In der Passage. 
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erinnern — der übrigens auch in allen möglichen Exem¬ 
plaren im Schaufenster liegt. 
Und davor: Junge und alte Herren — und ganz 
junge Burschen und Mädchen, die mit weit aufgerissenen 
Augen Hineinstarren in diese sonderbare Welt. 
„Au — Mensch - du, det koof ick mir mal!" sagt 
ein zwölfjähriger Junge zu seinem Nachbar. Sein 
kurzgeschorener, blaßblonder Schädel leuchtet über einem 
eckigen bleichen Gesicht, dessen Augen in tiefen Rändern 
liegen und dessen Ohren weit abstehen. 
„Och — dafor Jeld ausjeben?" macht der andere 
wegwerfend und wischt sich mit dem Aermel den Schmutz 
von der Nase, die in einem dicken, brutalen Gesicht steht. 
Seine festen Zähne beißen in eine Apfelsine, die er in 
der Linken hält, mit der er zugleich eine alte zerrissene 
Basttasche zum Zeitungaustragen umklammert. 
„Na — du — wat da unter den Zettel is, muß ick 
doch wissen!" meint der Blasse. 
„Jh — Mensch — det weeßte doch all lange. Wat 
soll denn det sind? Blos 'ne —" 
Und kreischend laufen die Jungen davon, sich ge¬ 
schickt durch das Gewimmel drehend. Sie verstehen sich, 
ohne die entscheidenden Worte auszusprechen. 
* * 
* 
Abends. Das gedämpfte Licht ist einem grellen 
vielflammigen elektrischen Schein gewichen. Viele junge 
Geschäftsmädchen wandern jetzt hindurch. Auch junge 
Leute. Konfektionäre, Bureauaugestellte, Lehrlinge. Meist 
auf dem Heimweg, eilig kommend, eilig verschwindend. 
Nur jener junge Mensch mit der schäbigen Eleganz 
hat viel Zeit. Wie es scheint. Langsam trippelt er herein 
in die Passage. Und bleibt beflissen stehen vor den Ge-
        
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