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In der Passage

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

20 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

Bis der Hagere alle Papiere durchgesehen hat und

sagt:

„Da	—	die sieben	— bei die lohnt	es sich. Die

schick mir	man nach de	Schönhauserstraße.	Die rücken

sicher den Dhaler for de Auskunft raus."

„Und die andern, die andern alle?" fragt der Weichliche zaghaft.

„Na	—	die kann	ja Schubert uff	sich nehmen,

’tt Paar sind	ja immer	noch bei, die sich	irgendwo 'n

Dhaler verschaffen."

Der rohe Kerl nimmt die Papiere und erzählt dann lachend, wie er ein paar Darlehnssucher rausgeschmissen hat, die vergebens den Taler für die Auskunft bezahlt hatten und rabiat geworden waren.

Der Kleine schüttet sich fast aus vor Lachen.

Der Hagere aber geht, immer ernst bleibend, hinaus aus der lebhaften, mit buntem Trubel gefüllten Halle, heimwärts nach seiner Wohnung in der Schönhauserstraße — wo er bei seiner Frau wohnt. Sie hat sechs bis acht glänzend möblierte Räume. Wenn aber jemand zu ihm kommt, wird er in ein kleines dürftiges Hinter-zimmer geführt, in dem nur ein Feldbett, ein eiserner Waschständer, ein alter Tisch und zwei Stühle stehen. Und alle, die hier ein Darlehn haben wollen, werden zu einem der Kumpane geschickt, bei denen sie drei bis fünf Mark für „Auskunft" zahlen müssen, die der für den „Darleiher" besorgt.

Aber es ist merkwürdig — die Auskunft fällt stets so aus, daß der Geldgeber sich nicht entschließen kann, sein Geld herzugeben. . . .
        
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