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Im Bouillonkeller

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

12 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

Will't denn jarnich mehr schmecken? — Donnerwetter — nn mußte aber futtern, sonst machste nich niehr lange!"

"-Der junge Kerl, der sich mit beiden Händen den Leib hält, bleibt vor ihr stehen:

„Ja — Dir sieht man't an Iß Dir man

wieder 'n bisken Fleesch an! Will't Dir denn jarnich schmecken? Na, iß man or'ntlich, futter man feste!" „Ick kann ja nich!" sagt sie verzweifelt.

Da steht er vor ihr wie vor einem Wunder, wie vor einem Unbegreiflichen; stumm glotzt er sie an ...

Und er wandert mit verzerrtem Gesicht weiter, ärgerlich, mit schmatzendem Mund auf die Teller voll heißer Kuchen blickend, die seine Mädchen vor sich haben. Die Blasse sitzt still.

Plötzlich trampelt eine dicke Frau die Treppe herunter. Notes, aufgedunsenes Gesicht, von kurzen Locken eingerahmt, die über die niedrige Stirn gekämmt sind. Ohne Hut. Mit blauer Küchen schürze über dem dicken Leib. Hinter ihr ihre Tochter. Noch keine zwanzig Jahr alt. So ähnlich gekleidet wie die Mutter. Nur ein schwarzes Jakett an. Und die geschminkten Backen so

schlaff und der Mund so faltig-------------

Kaum sieht die Dicke das blasse, krauke Mädchen in der Ecke, stürzt sie draus los und schlügt mit dem Handrücken in dies leidende Gesicht und schreit mit blitzenden Augen und geiferndem Gebiß:

„Wat — so 'n Frauenzimmer is hier drin, die Lampen macht?1) Wat, so eene traut sich in een an-ständiget Lokal?!"

Klatsch — klatsch — immer auf die blassen Backen und den blassen Mund, die sich fast gar nicht rot färben, trotz der harten Schläge.

*) Lampen machen: Verraten.
        
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