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Im Bouillonkeller

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

Im Bomllonkeller.	11

känlpfte, wie sie sich nicht ganz unterducken, wie sie ein wenig ihr Eigeu nennen wollte, wie ihre Seele schrie:

„Ich will ja nicht, ich Itnll ja nicht!"-------------------

Dann kamen mehrere alte, wohlgenährte Herrei: herunter. Ein Kegelklub. Die Männer hatten bis zwölf gekegelt, waren dann bis jetzt in einem besseren Bierlokal und kommen nun mit vollen Bäuchen hierher, um eine Tasse Bouillon zu trinken. Ihre Augen sind tranig von Bier und Müdigkeit, ihre Zunge schwer. Und nur Einer schwätzt unaufhörlich:

„Wenn wir wieder uff unsere alte Bahn — spielen, denn, denn hab ick keene Ratze! — Glauben Sie — nich eene Ratze! Nich eene . . . Wenn wir man erst wieder uff de alte Bahn spielen!"

Inzwischen läuft der eine junge Kerl, der vorhin die Puffer gegessen hat, unruhig herum; immer zur Tür

— wieder ins Hinterzimmer — zur Tür — ins Hinter-zimmer.

Plötzlich hält er sich den Bauch:

„So cen Leibkneifen — so ectt —"

Und rennt weiter.

Ein ältliches Mädchen kommt herein. Blaß wie die weißen Spitzen auf ihrer Schulter. Die Backen so eingefallen, daß man fast jeden einzelnen Zahn sieht. Nur Haut über den Knochen. Schreckliche, eingefallene glasige Allgen. Die Arme so dünn wie ein Spazierstock. Aber

— immer noch unterwegs auf der Straße. Und an ihrem guten schwarzen Kleid, den Spitzen, dem Hut, der seidenen Tasche ist zu seheu, daß sie nicht umsonst unterwegs ist . . .

Sie setzt sich ganz in die leere Ecke am Fenster.

Die andern rufen ihr erschreckt zu:

„Na — Du siehst aber wirklich schlecht aus. —

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