Path:
Im Bouillonkeller

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

Im Bouillonkeller.

9

schwarzhaariger Bursche, glatt und glänzend frisiert, ein trockenes, knochiges Gesicht mit breitem Kinn, starkem Mund und tiefliegenden, glühenden Augen. Sein Mädchen üppig, aber blaß und verschüchtert. Er war elegant schwarz gekleidet, wie ein Handwerker des Feiertags. Doch zeigten seine Weißen Hände, daß er kein Handwerkszeug mehr anfaßt. Er stopfte sich eine Portion Cotelette hinein, während das Mädchen eine Limonade trank.

Beide sprachen fortwährend zum Nebentisch hinüber, an dem ein ganz junger, bartloser Kerl mit zwei jungen Mädchen saß. Die speisten zusammen Kartoffelpuffer, schimpften, daß so langsam frische gebraten wurden und schlürften dazu schwarzen Kaffee.

Die beiden Mädchen schienen sich gut zu vertragen. Nur die eine machte dem gemeinsamen Bräutigam Vorwürfe:

„Mensch — ick weeß nich, wozu Du immer andern den Schluuk ausspülst! Nu jiebt man Dir und jiebt Dir. Un nich blos ick — Seite jiebt Dir ooch — un Du siehst nie so schick aus wie de andern! Kiek mal Franzen an — der is nich so dumm wie Du — der kümmert sich ’tt Deibel um Andere. Un wie sieht der aus!"

Der Bräutigam hörte nicht auf sie und würgte nur die heißen Kuchen in sich hinein.

Sie ließ aber nicht nach:

„Ick wollte noch sagen, wir Beede wären faul un verdienten nischt. Aber — jede von uns hat doch jeden Abend wenigstens ihre drete — viere. Un — nee — ick könnte mir janz jrün ärgern! ... Du könntest doch Alle die Augen ansstecken, wemtste man wolltest!"

Er ließ sie reden und aß.

Erst als er fertig war, stand er auf:
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.