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Im Bouillonkeller

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

8 Großstadt-Dokumente 23b. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

kragen und flatternder Krawatte ins Extravagante erhoben haben.

Dicht vor uns ging so eine hinein in den Keller, aus dem das schöne Lied erschallt war; dieser Gesang hatte so recht gestimmt zu der dunklen Straße mit ihren schwärzlichen hohen Häusern, dem glatten Pflaster und all dem Treiben, das hier auf der mit Stein bedeckten Erde, wo nichts als Stein und wieder Stein zu sehen war, wo nirgends ein Baum grünte, wo kein Grashalm, keine Blume den grauen Boden und die kalten geraden Häuserreihen färbte.

„Private Speisewirtschaft" stand über dem Keller-eingang. Und daneben: „Bouillon, Milch, Limonade".

Das kam mir doch sonderbar vor, daß dies Volk sich in einem solchen Lokal aufhielt. Ich fragte meinen Begleiter, was das bedeuten solle.

„Na — dat sind doch jetzt de neu'sten Kneipen. Die werden erst um zehne — elfe abends nffjemacht. Un um eensen, zween rnm in de Nacht kommt bet Publikum. Lauter feine Sorte! ..."

„Na — aber ohne Alkohol?"

„Jawoll, janz ohne Alkohol! Die kriegen doch keene Konzessjon. Lange jiebts die Kneipen noch nich. Die meisten erst seiht April. Hier in de Prinzenstraße — un denn in de Linienstraße — na — un wo noch."

Wir gingen beide hinein.

Zwei Räume. Sehr sauber. Wie ein bürgerliches Lokal. Mit Decken auf den Tischen und Kaiserbildern und Kaiserbüsten.

Ein großer, starker, stiernackiger Kellner kam gleich auf uns los. Wir bestellten uns Bouillon und setzten uns an der einen Seite.

Auf der andern Seite saßen mehrere Paare. Vorn am Fenster der Sänger des schönen Liedes. Ein
        
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