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Pennbruders Nächte

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

Pennbruders Nächte.

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ein verschuapftes zerfallenes Gesicht. Sie schlang an einem Butterbrot, das ihr der Schiffer für ihre Liebenswürdigkeit geschenkt hatte.

„Ja — euch jeben se wat zu futtern — ick habe den janzen Dag noch nischt zu beißen jehabt!" murrte der Pennbruder.

Da brach sie ihm ein Stück ab. —

Er fragte nach einer Weile, warum sie nicht am Humboldthafen im Heukahn schlafe.

„Ja Du — neulich haben de Blauen mit ihre Säbels immer mang gepiekt. Da vergeht Dir de Lust an solche Penne, ’n Sticker achte haben se rausjepisackt!"

„Deinen Schalbruder') ooch?"

„Jawoll, Willem'n ooch!"

Ein andermal führte mich Franz hinaus nach Neinickendorf zu, in die Lanbenkolonieen. Aber als wir uns in einer niederlassen wollten, kam ein großer breitschulteriger Genosse von ihm und drohte uns mit seinen Fäusten. Er war hier Gebieter. Und gar nicht ungern gesehen von den Lanbenbesitzern, deren Land und Ernte er für das gewährte Nachtlager bewachte — und die er vor einer zu großen Ueberschwemmnng mit Pennbrüdern behütete.

Wir statteten dann noch einem Fuhrplatz einen Besuch ab, wo die Obdachlosen auf Steinwagen, in Möbel-fuhrwerken und anderen Wagen ihr Nachtlager fanden. Einzeln — aber oft auch zu mehreren. Auch in Ställen krochen sie unter, von mitleidigen Kutschern geduldet, denen sie am Tage aufladen halfen.

Dann wieder gingen wir einmal kurz vor Tores-

x) Schalbruder — Lumpensammler, die iit den Berliner Müllkästen nach Lumpen, Eisen und Glas suchen.
        
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