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Pennbruders Nächte

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

100 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

erlaubte uns, auf dem Boden seines leeren Kahus zu nächtigen. Wir saßen eine Weile auf den Steinkrümeln, den Rücken an der Bootswand. Das Wasser Platschte an die Bretter.

Klagend erzählte mir mein Begleiter:

»Ja — früher, da war det Ufer noch nich massiv. Da jab's an beede Seiten Sträucher, wo man mal sein Schläsken machen konnte . . . lind wenn de Bienen (Läuse) zu sehre bissen, denn konnte man seine Staude (Hemd) ausfleddern (reinigen, waschen im Fluß). Und denn legte man sich mang de Weiden — und paßte ab, bis der Kram trocken war . . . Heute — wenn man da mal seine Fetzen 'n biskeu sauber machen will, muß man jleich bis hinter Plötzensee tapern. Da is doch noch Jras und Büsche au't Ufer. Da kann man sich noch hinlegen, wenn man am Hafen 'n paar Jroschen verdient hat un die Pulle is voll.

Früher — da war det anders. Da hatten wir uuse Familie. Un da kochte eene Schickse for uns alle. Un Strohsäcke hatten wir nicmg de Büsche — überhaupt — feine Wohnstuben. Aber jetzt — jetzt stökern se eenen ja immerzu uff — de Blankhüte.

Un damals durften wir uns ooch noch de Mittagsreste aus de Erziehungsanstalt holen. Kommen wir jetzt an — jleich hat eenen der Blaue (Schutzmann) bei'n Kanthaken . . ."

Wir hockten dann eine Weile still beisammen. Plötzlich hörten wir ein leises Geflüster. Und über das Laufbrett kam der Schiffer mit einem Weib.

„Ah — de Schalfrieda!" meinte der Pennbruder.

Das war ein altes Frauenzimmer, das nachher zu uns heruuterkroch. Sie stak in einem alten zerfranzten Rock, ihre Jacke war am Ellbogen und auf den: Rücken ganz zerfetzt. Und die dünnen Haare hingen wirr um
        
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