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Die lieben Frauen

Full text: Berliner Klubs / Katscher, Leopold

Die lieben Frauen.	59

stützen ist, und der sich rein hält von allen zweideutigen Elementen, siud die folgenden Zeilen gewidmet.

Er ist auf einer durchaus gesunden Basis aufgebaut, er verkörpert in seinen Mitgliedern den berühmten deutschen „Mittelstand" und hat mit den Bestrebungen der andern Klubs wirklich nichts mehr als den Namen gemein. Die Franenklnbs, deren schon in der Einleitung gedacht ist, fuhren in andere Sphären, in die höchsten und niedrigsten der Reichshauptstadt.

Ein modernes Bild:

Ein Abend in der Berliner Wintersaison. Die übersättigten und übermüdeten Nerven wollen etwas neues. Empfangsabend im Frauenklnb in der X.-straße. Die Herren sind diesmal die Gäste. Alles in großer Toilette, das Reformkleid, das Symbol der Frauenbewegung, ist fast garnicht zu sehen — reichgedeckte Büffets laden zum Verweilen, perlender Sekt und schäumendes Pilsener werden vou den reich gallouierten Dienern herumgereicht. Im Grunde: eine Gesellschaft wie taufend andere in Berlin W., nur mit dein kleinen Reiz, daß sie in Räumen stattfindet, deren keusche Reinheit sonst eines Mannes Erscheinung nicht verletzen dars, daß das große, teilweise über reiu dilettantische Darbietungen heransragende Programm nur vou Damen ausgeführt wird, von Damen, die sich mit Vorliebe in — Männerkleidern zeigen . . .

An diesem einen offiziellen Festabend offenbart sich aber der Charakter des Klubs garnicht, seines Wesens Art ist am besten an einem seiner intimen, ganz intimen Abende zu erkennen. An den Spieltischen gruppieren sich die lieben Frauen, schwere, echte Cigarren im Mundwinkel, die gefüllten Bier- und Weingläser neben sich — die, deueu der Klub wein nicht schwer genug ist, lasseu sich bessern und gehaltvollere „Röten" von Fredrich oder Knoop holen.
        
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