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Klubexistenzen

Full text: Berliner Klubs / Katscher, Leopold

42__________Großstadt-Dokumente	Bd. 25. Berliner Klubs.

alle genau sehen. Und endlich muß man eine Lehre befolgen, die Mephisto einst dem lernbegierigen Schüler für den Verkehr mit den Frauen gab: „Ein Titel muß sie erst vertraulich machen". Man sollte gar nicht glauben, wie viel „Direktoren" es in Berlin gibt. Wenn sie nur selbst müßten, wen oder was sie zu dirigieren haben — oft genug wirklich nichts anderes, als das Heer ihrer Gläubiger.

Aber der Klub läßt seine Schäslem nicht im Stich, er hält, so lange es zu halten geht. Erst wenn die letzte morsche Brücke gebrochen, wenn der höchst mögliche Kredit erschöpft, dann macht mich der Klub seinen Strich unter die Rechnung und gleichzeitig durch die Schuldseite. Wieder bekommen wird er nie etwas

Abgesehen von dem Klubvermögen ist meist noch eine andere Hilfsquelle, aus der die Herren schöpfen, der Kassierer. Aus dem berühmten Kellner, der den angeschossenen Spielern 6 oder 10 Mark pumpt, hat sich der Kassierer entwickelt, auch ein Kavalier, der den Bedrängten beisteht Als vor einigen Jahren der Kassierer eines der bekanntesten .stlubs sich zurückzog in die wohlverdiente Ruhe, da hatte er sich ein ansehnliches Vermögen erworben, das freilich kaum zur Hälfte aus barem Geld bestand — den Rest waren ihm die Herren noch schuldig. Es waren teilweise recht artige Posten und fein plötzlicher Rücktritt rief eine peinliche Verlegenheit hervor, denn wohl oder übel mußten nun die oft langjährigen Darlehen beglichen werden. Und sie wurden es auch.

Wohlgemerkt handelt es sich bei diesen Beweguugs-gelderu keineswegs nur tun Beträge, die der Spieler sich während einer unglücklichen Nacht in einer momentanen Verlegenheit bis znm nächsten Tage leiht — das Bild sieht doch anders ans.

Wie mancher Fabrikant und Kaufmann hat sich zum Ersten eines Monats die fälligen Löhne und Gehälter
        
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