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Opfer des Gewinnes

Full text: Berliner Klubs / Katscher, Leopold

38	Großstadt-Dokumente	Bd.	25. Berliner Klubs.

Wenn es sich um so enorme Summen handelt, dann bedeutet der Gewinn selbstverständlich für den Spieler den vollen Wert des Geldes, sobald aber nur kleinere Beträge in Frage kommen, so liegt gerade im Gewinn die größte Gefahr. Es ist int Berliner Klubleben nur zn häufig beobachtet worden, daß gerade die, die „per Saldo" gewonnen haben, ant ehesten untergingen. Sie haben 51t rasch den Wert des Geldes nicht mehr zu schätzen verstanden, ihre persönlichen Bedürfnisse stiegen so riesenhaft ins Ungemessene, daß der Gewinn der Nächte nicht mehr ausreichte. Die Tausende/ die sie in wenigen Stunden gewonnen, gaben sie in wenigen Minuten aus, das übertrieben üppige Klubleben ließ sie die Distanz verlieren zwischen Einnahmen nnd Ausgaben, sie hielten die goldene Quelle, die vom grünen Tisch ihnen in den Schoß rieselte, für unerschöpflich. Sie floß ja auch eine Zeitlang ganz nach Gefallen, allein — sie trug doch nicht genügend Gold mit sich. Wer Ostende oder Monte Carlo kennt, der weiß, daß dort ein Huudert-fraucsscheiu überhaupt nicht in Betracht kommt, das Geld wird dort vollständig anders bewertet. Diese Erscheinung zeigte sich nun in Berlin, wie sie nicht an den Ort gebunden ist, sondern an die Personen, an die Spieler. Auch die „Opfer des Gewinnes" schätzten Geld und Geldeswert viel niedriger ein, als sie es vertragen konnten, dann aber hatte das elegante Klubleben sie verwöhnt, sie wollten auch außerhalb des Klubs auf gleichem Fuße leben. Sie vergaßen dabei, daß der Klub von einer Vielheit von Menschen erhalten wird, daß ein Einzelner deshalb wohl auf Kosten der Allgemeinheit billig und doch sehr vornehm im Klub selbst leben kann, daß aber sehr viel Geld dazu gehört, auch außerhalb diesen Standard of life ausrecht zu erhalten. Die Gewitute, die sie im Klub machten, bestärkten sie in diesem
        
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