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Der Tempel des Glücks

Full text: Berliner Klubs / Katscher, Leopold

24	Großstadt-Dokumente Bd. 25. Berliner Klubs.

Walten. Dann mag er getrost dorschreiten in den langen, gründämmernden Pokersaal, welchem ein großes Bild von Rabes, ein sudanesischer Topfmarkt, zur Zierde gereicht. Gewiß, die Herren dürften sich schon als gewiegte Kunstkenner feiern lassen, weun nur nicht am Ende der Dinge der fürchterliche Wintergarten sich breit machte. Der aber schlägt dem Faß den Boden aus und ist der Comble der Geschmacklosigkeit. Grade heraus gesagt, dieser Prachtgarten ist mit einer exotischen Bordelldekoration, wie man sie in den wohlfeilen Venustempeln in Veracruz oder Rio de Jaueiro antrifft, kühnlich zu vergleichen. Scheußlich geklexte Frauenzimmer in frechstem Kulissenstil, ein aus Gips zusammengekleisterter Brunnen, dem statt des Wassers eine Kaskade, sage aus Glas, entströmt, schreiend bunte Fenster uud anderer Blödsinn verherrlichen dieses in Berlin einzigartige Interieur.

Die beste Leistung trifft man im Obergeschoß an. Ein Wunderwerk der Innendekoration ist der gewissermaßen als Auftakt dienende Empiresalon. An feiner Holzarbeit und vornehmer Farbenstimmnng gleicht ihn: wohl kaum ein Interieur aus dem neueren Berlin. Ausgetäfelt ist das Zimmer in kostbarem Sandelholz mit Intarsien aus gebranntem Birnbaum und Zedernmafer, keine Malerei der Welt könnte den weichen, feinen Glanz dieser Hölzer erreichen. Im Kamin schimmern blan irisierende belgische Fliesen, granblaner Genueser Sammet und weichtönige Tapisserien decken die Fantenils, mit einem kühleren Ton dienen die schwarzweißen Marmortischplatten zur Folie und endlich das niedriggezogene filmte Kreuzgewölbe ist mit Grotesken, Arabesken und Grisaillen im Stil der Burg Trausuitz bemalt.

Nebenan die Bibliothek ist wieder ernst und gemessen monumental und tieffarbig feierlich. Ueber dem Paneel und Gestell in geräucherter Eiche spannt sich altnieder-
        
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