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Damengesellschaft

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

Damengesellschaft.	91

sie andernfalls den vornehmen Eindruck, den sie tatsächlich macht, beeinträchtigen würde.

Die Bnckow zeichnet sich aus durch die sonderbare Mischung grenzenloser Gemeinheit in ihren Ausdrücken mit Strenggläubigst. Es ist bekannt, daß ihre Wohnung mit Heiligenbildern, Weihebecken und andrem derartigen Kram überladen ist. —

Die Sascha, eine Polin, hat ein Verhältnis mit einem Prinzen und wohnt Unter den Linden. Sie läuft deu ganzen Tag in ihrer Wohnung nur mit Hemd und Wadenstrümpfen bekleidet umher. —

Ich bemerkte bald, daß die Gesellschaft in zwei Klassen zu teilen war: DieFreiinnen itttd ihre Prostituierten.

Die mir unbekannten vier Damen gehörten der vornehmsten Kaste an. Wie ich später hörte, befand sich daruuter eine russische Fürstin. —

Man redete bei der Tafel zunächst über Kunst und ,Künstlerinnen, über Reisen, Bücher und Kleider.

Man trank Wein erst, dann Sekt.

Ganz allmählich glitt die Unterhaltung auf das Gebiet der Sexualität hinüber.

Ich mußte auch etliche Gesänge begleiten.

Nach der Tafel sonderten sie sich zn Paaren.---------------

Madame Manche hatte mich in jenem Weinrestaurant einmal auf dem Klavier phantasieren hören; daraufhin hatte sie mich auch für diesen Abend engagiert.

Sie trat nun au mich heran:

„ Herr Kapellmeister, jetzt bitte ich recht sehr, phantasieren Sie uns etwas vor, so schön Sie es nur vermögen!"

Sie legte ihre schöngepflegte Hand auf meine Schulter und blickte mich mit ihren faszinierenden Augen bittend an. Mein Blut ward rebellisch. Wie hatte ich da nicht

Phantasieren können!-------------------
        
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