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Im Weinlokal

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

Im Weinlokal.	85

in Begleitung ihres Adjutanten, des bekannten Korn-merzienrats L . . .

Auch ein leibhaftiger „Geheimer Kämmerer des Papstes, Monsignore ..." läßt sich in Gesellschaft seiner Wirtschafterin und deren Töchterlein in diesem Tempel des Dionysos mit tiefempfundener Anerkennung des Guten nieder; jedoch eingedenk seines Amtes und seiner hohen Würde setzt er mit dein Schlage zwölf sein Glas definitiv fort und kehrt mit seinen Damen den unheiligen Räumen den Rücken. Ist es doch strenge Regel, die Messe am nächsten Morgen nur mit nüchternem Magen 31t lesen.

Nach zwölf geht es aber wirklich nnheilig zu. Da kommt der Direktor eines bekannten Cabarets; da kommt der „ewige Hauptmann von der Garde"; der „Oberleutnant" mit seiner „Emmi aus dem Metropol-Theater", Rittmeister S . . ., von dem man sich erzählt, er habe seine erste Frau totgeprügelt, mit einem kaum fünfzehnjährigen Mädel.

Uni zwei Uhr wird das Restaurant offiziell geschlossen. Die Rolljalousieu vor Tür und Fenstern werden heruntergelassen. Die Geiger setzen die Dämpfer auf. Dann tanzt Emmi den Monna-Vanna-Tanz, der damit endet, daß die Männer, fortgerissen von der verführerischen Kunst, aus sie losspringen und ihr den Mantel vom nackten Leibe reißen. — ----------------- —-----------—--------

Sylvester!

Wie oft war ich bereits der Meinung, die tollsten Erlebnisse hinter mir zu haben, doch immer wieder steigen neue Erscheinungen aus der Tiefe des Lebens empor, alles bisher Dagewesene überragend.

So auch in dieser Sylvesternacht.
        
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