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In der Kaschemmme

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

54 Großstadt-Dokumente Bd. 19. Was ein Berliner Musikant erlebte.

Dieses Engagement hat bald ein Ende gefunden; aber ein schauderhaftes Ende. Entsetzen packt mich wieder, wenn ich daran denke. Immer wieder durchlebe ich jene bewegten Stunden. Ich sehe noch die dunkle, unheimliche Kneipe; sehe den langen Burschen mit der breiten roten Narbe quer durch das Gesicht über die Lippen weg bis ans Kinn, an mich herantreten. Ich höre ihn sprechen:

„Na, Kleener, hast'n wat zu schmier'n (trinken)?"

„Nee, ich hab' ooch keen'n Durst."

„Ach, quatsch' doch rtich, bet weeß ick besser!"

Nach dem Büffet gewendet, rief er: „Budiker, 'n kleen'n Landwehrtopp!" (Weißbierglas mit Lagerbier.)

Er setzte sich neben mich ans Klavier.

An dem benachbarten Tische saßen Kartenspieler. Eine seltsame Mischung von Frivolität, Habgier und Verschlagenheit lag in ihren Gesichtern. Sie stierten mit blödem, oft rachsüchtigem Ausdruck auf die verschiedenen Häufchen Geldes. Zuweilen fuhren sie wütend hoch von ihren Stühlen und brüllten sich Schimpfworte entgegen.

Etwas weiter hin, in der Nähe des Fensters, hatten sich die Frauenzimmer zusammengesetzt. Teilweise führten sie kleine, mit bunten Schleifchen geputzte Hunde mit sich. Sie beobachteten ihre Zuhälter verstohlen mit lauernden Blicken.

„Musieke! Sieke!" rief ein Ungeduldiger.

„Augenblick! — Ich muß schnell Einen spieln," entschuldigte ich mich bei meinem Gönner, ihn in seiner Erzählung unterbrechend.

„Man zu! Reiß'n Se mal wieder een Ding runter!"

Er nickte freundschaftlich, trank den Bierrest aus und reichte das Glas dem Wirt, um es aufs neue füllen zu lassen. —
        
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