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Die Kellnerin

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

36 Großstadt-Dokumente Bd. 19. Was ein Berliner Musikant erlebte.

Ich erfreute mich einer gewissen Beliebtheit bei den Gästen. Gar mancher schüttete mir sein Herz aus, und das Leben reckte sich ernst und drohend bor mir auf.

Allen, die sich in der Halbweltssphäre wohlfühlen, fehlt der rechte innere Halt. Sie mögen aus irgend einem Grunde, welcher nicht immer ein schlimmer zu sein braucht, keinen Anschluß bei sittlichen Menschen finden. Häufig sind es auch verheiratete Männer, Familienväter, die ein häuslicher Unfriede Hinaustrieb, welche Ablenkung von fressenden Sorgen suchten und dabei auf gefährliche Steige gerieten. Am Peinlichsten überraschte es mich, wenn alte, weißhaarige Männer, die gemeinhin sich einen Heiligenschein, eine Gloriole von gestrenger Tugend uud Sittsamkeit zu verleihen wußten, danach lechzten, das Strumpfband einer Kellnerin zu küssen. Das sind zumeist diejenigen, die einzig und allein ihre zügellose Sinnlichkeit, die Geilheit in die Mädchenkneipe treibt.

Das Unausbleibliche ist eingetreten. Ich erlag Ellis weiblicher Natur. Ich sage, „ich erlagt; sollte ich nicht sagen dürfen: ich siegte? —

Das sind eigentümliche Schwankungen der Begriffe. Ich weiß nicht, soll ich mich freuen oder traurig sein darüber? — Elli ist schön und lieb; dennoch mischt sich ein Mißbehagen in meine Stimmung. Elli ist doch nicht

besser als eine Hnre.------------------------------------------

* *

Weihnachten. ---------------------------------------------

Das liebe Mädel! Wenn sie wüßte, was ich da hingeschrieben habe. Ich glaube, sie ginge ins Wasser. -

Sie liebt mich wirklich uneigennützig. Und dennoch-------------

Sie hatte in ihrem notdürftig möblierten Dachstübchen einen Weihnachtsbaum geschmückt. Da saßen wir bei-
        
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