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Flucht - Erste Berliner Erlebnisse

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

Flucht — Erste Berliner Erlebnisse.	25

Von der Maschinen-Feuerung glühend durchleuchtete Dampf funkensprühend gen Himmel.

Zwei gleißende Feueraugen tauchen auf und jagen über die aufblitzenden, blanken Schienen heran.

Plötzlich steht das zischende Ungetüm vor mir, wie von einer unsichtbaren Gewalt gezügelt. Es keucht uud braust und summt, als bäume es sich in ohnmächtiger Wut gegen den Bändiger auf. Die Eisenglieder pressen einen kochenden Hauch aus dem unförmigen Leib.

Erschauernd steige ich in eine der vielen Abteilungen seines gewaltigen Schweifes.

Ein gellender, pfeifender Laut erschüttert mein Trommelfell. In demselben Augenblicke rast das Untier mit mir davon; fauchend, polternd, stoßend.--------------------

Nachdem ich in Berlin eingetroffen war, mietete ich mir znnächst eine Schlafstelle. Gegen Abend begab ich mich auf die Straße und strebte abenteuerdurstig dem Herzen der Stadt zu.

Friedrichstraße — Leipzigerstraße: In breiten Wogen flutete das elektrische Licht der großen Bogenlampen und aus den strahlenden Schaufenstern der eleganten Läden über die in tausend Linien sich durcheinander schlängelnden Menschenmassen.

Der Verkehr aus dem Fahrwege stockte manchmal; die Droschken, Equipagen und Geschäftswagen, die Omnibusse und elektrischen Straßenbahnen vermochten kaum einander auszuweichen.

In diesen: Gewühle überfiel mich das Bewußtsein einer furchtbaren Verloreuheit; gleich einem Tropfen im Strome wurde ich mitgerissen, gestoßen und geschoben.

Ich stemmte mich gegen die Strömung, um mir die blitzenden Auslagen im Fenster eines Juwelierladens anznschanen. Der märchenhafte Reichtum übte eine be-
        
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