Path:
Im "Seeschlößchen"

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

10 Großstadt-Dokumente Bd. 19. Was ein Berliner Musikant erlebte.

interessante Reflexe auf die unnatürlich geschminkten Gesichter.

Jetzt erst kam rechtes Leben in die schreienden Chansonetten. Ihre Bewegungen wurden noch schamloser; sie warfen die künstlich gerundeten Beine noch höher und präsentierten mit widerlich süßem Lächeln ihre Spitzenröckchen und -Höschen, die den verbrauchten, welken Körper umhüllten.

Liebesglut und Lebenslust schienen aus ihren Augen zu sprühen — Komödie, Lug und Trug. Sowie sie in die Garderobe zurückkehren, steht die bange Sorge auf ihrem Gesicht; vom „Verdienen" ist dann die Rede, und gar oft macht der Gram über ihr verlorenes, geächtetes und verfaultes Dasein sich in wilden, leidenschaftlicher! Klagetönen Luft. —

Die jungen Musiker vor der Rampe und die sich dicht herandrängenden Kinder starrten hingerissen zu den unheilschwangeren, die niedrigsten Instinkte wachrufenden Darstellungen auf.

Die Eltern lächelten wohlgefällig dazu.-------------------

* *

*

Es tvar elf und die Vorstellung zu Ende.

Einige meiner Kollegen hatten es sehr eilig davonzukommen; die Braut wartete.

Wir übrigen, darunter der Gehilfe und seine Braut, mit deren allerintimsten Reizen ich ja hinreichend bekannt gemacht war, begaben uns in Gesellschaft der Artisten auf den Heimweg.

Der „Damen-Imitator", ein weibischer Mensch mit einer komisch wirkenden Fistelstimme, hatte zärtlich meine Hand erfaßt und lief dicht an meine Seite gedrängt.

„Du Kleener, laß Dich nich verführ'n!" rief mir Einer zu.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.