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Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

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jährlich zirka 20 000 Mark Gehälter für die Verbandsangestellten aufbringen! Er hat eine „Pensions-" und eine „Witwen- und Waisenkasse" gegründet. Beide kommen für den Proletarier, der kaum im stände ist, des Lebens dringendste Notdurft zu beschaffen, wegen hoher und unter großen Zahlungshärten zu leistender Beiträge nicht in Betracht. Der Verband hat eine Masse Petitionen gegen die Beamten- und Militärkonkurrenz, auch wegen Abänderung der Gewerbeordnung, zünftlerischen Anschauungen gemäß, losgelassen. Keine einzige hat ge-ftuchtet; teilweise sind sie den direktesten Weg in den Staatspapierkorb gewandert. Den dringendsten Forderungen gegenüber blieb der Verband tatenlos; die wichtigsten Berussprobleme,„Stadtkapellen- und Agentenanwesen", blieben ungelöst.

Der Musiker beginnt in der Regel seine Laufbahn bei irgend einem Stadtkapellmeister. Ein Stadtkapellmeister hält sich 30, 40 bis 50 Lehrlinge. Die Lehrzeit dauert vier bis fünf Jahre. Die Eltern der Lehrlinge haben für Instrumente nebst Zubehör, für „anständige Kleidung" und Wäsche zu sorgen und meistens noch ein Lehrgeld von 200 bis 300 Mark zu zahlen. Sie sind verpflichtet, im Falle der Erkrankung eines Lehrlings alle daraus entstehenden Kosten zu tragen. Der Lehrling selbst ist zu jeglicher Arbeitsleistung, die ihm zugemutet wird, verpflichtet, ohne dafür eine Entschädigung be-ansprnchen zu dürfen. Zu den Funktionen der Lehrlinge gehören Kartoffelnschälen und ähnliche Küchenarbeiten, die Kinder des Meisters abwarten, Stuben, Hausflur und Treppen fegen und scheuer::, Landarbeiten aller Art, Schweineställe ausmisten und dergleichen mehr. Das Leben und Treiben in den Stadtkapellen ähnelt, besonders was das „nächtliche Umgehen der Klopsgeister" und andere Grausamkeiten anbetrifft — der Meister behält
        
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