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Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

110 Großstadt-Dokumente Bd. 19. Was ein Berliner Musikant erlebte.

Kulturträgern in der Leitung des Zentralverbandes beim Eindringen in die reaktionäre Wildnis innerhalb der Grenzen des Allgemeinen Deutschen Musikerverbandes entgegentürmen. Quantitativ, an Mitgliederzahl und Vermögen, ist der Allgemeine Deutsche Musikerverband die bedeutendste Erscheinung dieses Gebiets. Er zählt in 162 Lokalvereinen zirka 12 000 Mitglieder, verfügt über ein obligatorisches Verbandsorgan, das wöchentlich in einer Auflage von mehr als 12 000 Exemplaren erscheint und in einem Zeitraum von zirka dreißig Jahren einen Reingewinn von 252 775 Mark eintrug, und besitzt ein Vermögen von 90 000 Mark. Das Organ des Verbandes, die „Deutsche Musiker-Zeitung", verdankt die glänzende finanzielle Stellung wesentlich dem sechs bis sieben Seiten starken Inseratenteil, in dem auch lohndrückende Arbeitergesuche seitens der Arbeitgeber Aufnahme finden, unbekümmert um die Wahrung der Pflichtgemäßen Tendenz eines von Arbeitnehmern unterhaltenen Fachblattes, auf eine Verbesserung der ökonomischen und sozialen Stellung der Verbandsmitglieder hinzuwirken. Da die Schriftleitung auch im redaktionellen Teile äußerst zartfühlend mit den Vertretern kapitalistischer Ausbeutung und Bewnchernng umgeht, erhält die Zeitung immer mehr den Charakter eines Organs der Arbeitgeber. Schon diese Tatsache bietet ein beweiskräftiges Argument für die fast unglaubliche Rückständigkeit und Gleichgültigkeit der im Allgemeinen Deutschen Musikerverband vereinigten Musiker, was wiederum davon zeugt, daß dieser Verband, sofern er wirklich ernstlich die Interessen der Arbeitnehmer vertreten will, für diese Aufgabe unfähig ist.

Was hat der Allgemeine Deutsche Musikerverband in den dreiunddreißig Jahren seines Bestehens für das Musikerproletariat geleistet? Die Musiker müssen all-
        
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