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Im Sektsalon

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

104 Großstadt-Dokumente Bd. 19. Was ein Berliner Musikant erlebte.

Kerl; noch vor wenigen Tagen hatte er eine riesige Zeche

bei uns gemacht.  -----------------------------------------------

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Wenn ich dieses Engagement beibehalte, werde ich verkommen. Abend für Abend wanke ich betrunken nach Hause. Das Trinken läßt sich beim besten Willen nicht vermeiden. Abschlagen darf ich eine Einladung zu einem Glase Wein oder Bier nicht, da könnte mich die Wirtin nicht brauchen. Sie gibt mir jetzt sogar für jedes Glas Bier, was ich vom Publikum spendiert bekomme, fünf Pfennig Prozente; da kommt an manchem Tage bis zu

einer Mark zusammen. —-------------------------------—  ---------

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Das war ein stürmischer Abschluß. —

Paula hatte einen „Kootzen"*) im Sektsalon. Gegen 10 Uhr war sie fast „fertig"?*) Sie wurde ausgelassen und machte dumme Streiche; schließlich stetsten sich bei ihr die „Saufkrämpfe" ein. Der Wirtin paßte das nicht, sie schimpfte ihr Opfer in der unflätigsten Weise aus. Das ließ Paula sich natürlich nicht gefallen.

Ich selbst war ebenfalls bezecht, schaute aber deut Vorgänge als Unbeteiligter zu, bis die Wirtin, die Kupplerin, sich verleiten ließ, das Mädchen zu schlagen; da geriet mein Blut in Wallung, und als sie gar in ihrer Wut über das verpfuschte Geschäft auf Paula losstürzte, sie wie eine Megäre an den Haaren herumriß, — da nahm ich offen Partei. Es entstand eine turbulente Szene, deren Ende war, daß wir beide von: Hausknecht

an die frische Luft befördert wurden.------------------

Ich nahm eine Droschke und brachte Paula nach ihrer Wohnung.

*) reichen Freier.

**) sinnlos betrunken.
        
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