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Im Sektsalon

Full text: Was ein Berliner Musikant erlebte / Noack, Victor

Im Seklsalon.

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„Ich habe so eine ganz bestimmte Ahnung, daß wir

noch was Besseres fangen," meinte er.----------------

Es sind kaum drei Stunden vergangen.

Aus dem Privatzimmer der Wirtin tönt, durch die Türen und Portieren gedämpft, das Schreien und Weinen eines Mädchens. — Der elende Schuft hatte Recht: es kam noch was Bessres.

Kurz nach dem Essen hatte sich ein blutjunges Mädel gemeldet.

Ich sah, wie der „Baron" zitterte, als die Kupplerin ihm das Kind aushändigte. Er bestellte den besten französischen Sekt. —

Zuerst nippte die Kleine kaum an dem Glase; doch Zureden half. In einer knappen Stunde war sie bezecht. Da lachte sie so fröhlich, so herzgewinnend. Dann be* gcmrt das Flüstern, das „Tuscheln", das Hinundherjagen, das Greifen und Haschen, das Drücken und Küssen, und danach ward es still .... Und nun schreit und weint das arme Mädel sich tot. —

Der „Baron" hat sich gedrückt; die Wirtin huscht scheu und gedrückt heraus und herein.

„Se hat die Saufkrämpfe", flüsterte sie als Antwort

auf meinen fragenden Blick.----------------------------------

* *

*

Ich war gestern sehr betrunken. Die Gäste waren außergewöhnlich freigebig. Ich hätte ja nicht alles zu trinken brauchen und etliche Gläser heimlich beiseite stellen können; aber ich betrank mich mit Absicht, um mich zu betäuben, meine aufgeregten Nerven zu beruhigen.

Wir erhielten nämlich gestern die Nachricht, daß sich einer unserer Stammgäste wegen Unterschlagungen im Stadtbahnzuge erschossen habe. Die Geschichte hat mich furchtbar mitgenommen. Er war ein so netter, lieber
        
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