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Anstaltsleben und Arbeitserziehung

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Anstaltsleben und Arbeitserziehung.	91

erziehung daraus, daß die Anstalt vorwiegend solche Arbeiten durch die Hände der Zöglinge herstellen läßt, die in der Anstalt selbst Verwendung finden können, so daß den Zöglingen der Wert ihrer Arbeitsleistungen unmittelbar vor die Augen gestellt wird. Als oberster Grundsatz bei der Beschäftigung der Minder in Anstalten aber muß gelten, das wirtschaftliche Interesse der Rinder unterzuordnen.

Aus dem bisherigen ist ersichtlich, daß die Arbeit ein wirksames Erziehungsmittel bei richtiger Handhabe werden kann. Hierbei sei nicht unterlassen, noch darauf hinzuweisen, welchen Wert die Regierung auf diese Werkstattbeschäftigung selbst der schulpflichtigen Rinder legt. Der Minister des Innern, von Her-furth, sagte: „Der Handferügkeitsunterricht durch die Anleitung zur praktischen Arbeit ist ein sehr wirksames Hilfsmittel der Erziehung, insbesondere der in öffentlichen Erziehungs- und Besserungsanstalten. Auch ich erachte den Handfertigkeitsunter-richt für einen Gegenstand, der in Anbetracht seiner Nutzbarkeit, die Unterstützung der Behörden verdient, und habe deshalb seine Einführung in die neuerdings gegründete staatliche Erziehungsund Besserungsanstalt zu Wabern angeordnet. Es ist wünschenswert, daß er auch in anderen ähnlichen Anstalten Eingang findet."

Die schon mehrfach erwähnte amtliche Statistik betr. die Fürsorgeerziehung Minderjähriger hält sogar eine planmäßige Arbeitsbeschäftigung sämtlicher Kinder (nicht nur der Anstaltszöglinge), während der letzten beiden Schuljahre für nötig, nicht bloß um dem lebendigen Tätigkeitsdrange der Jugend gerecht zu werden, sondern um der drohenden Verwahrlosung vorzubeugen. Die beherzigenswerte Stelle lautet: „Eine andere Frage ist es aber, ob die Schule auch ihrer erzieherischen Aufgabe gerecht geworden ist . . . So ist die Frage nicht abzuweisen, ob denn die Schule ausreicht, um den Tätigkeitsdrang der Rinder in diesem Alter auszufüllen. In den ländlichen Bezirken gibt es Beschäftigung in Feld, Haus und Garten, bei der sich die jugendliche Kraft ausleben kann. Aber was soll das Rind der Großstadt, des Industriebezirks, wo es von allen
        
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