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Erziehungsmittel in den Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Erziehungsmittel in den Rettungsanstalten. 87 
sie eben mehr leisten soll, als es das Gefängnis zu tun ver¬ 
mag, und weil man sich von der Pflege des religiösen Empfin¬ 
dens mit Recht bei dem schwierigen Erziehungswerke eine wesent¬ 
liche Hilfe versprach. Denn wenn man die Macht der christlichen 
Lehre auch ganz nüchtern betrachtet, so bleibt als lebendiges 
Wunder ihre seit zwei Jahrtausenden bewährte Werbekraft. 
Nun, das Christentum nahm schon vor zwei Jahrtausenden die 
Heilswahrheit voraus, daß Haß und Unlust aller Uebel Quelle, 
aber die ewige Liebe der Ueberwinder aller Hindernisse ist, 
daß Roheit durch Roheit vermehrt, aber durch Milde besänf¬ 
tigt, und daß Haß und alles, was aus ihm Uebles folgt, durch 
Gegenhaß vergrößert, aber durch Liebe gemildert und am Ende 
überwunden wird. Warum verletzt man in vielen Fürsorge- 
anstalten, in denen man doch diesen Inhalt des Wortes Gottes 
ständig predigt, diese große Wahrheit? 
Es ist als Folge unserer Ausführungen also zu resü¬ 
mieren: Die Prügelstrafe in der geschilderten Form 
und die groben Disziplinarmittel können nicht beibehalten 
werden 
1. weil sie bei den von ihr Bedrohten eine desperate Ge¬ 
mütsverfassung schafft, die in beinahe allen Fällen den 
Grund gelegt hat für die von Zöglingen verübten Ver¬ 
brechen und dies guch weiterhin zu befürchten ist. In 
keinem Falle darf das dem Vater zustehende Züchti- 
gungsrecht jemals überschritten werden; 
2. weil es fraglich erscheint, ob die geschilderte Anwendung 
überhaupt gesetzlich zulässig ist, da sie taum noch 
in den Rahmen des den Anstalten zustehenden (doch 
höchstens väterlichen) Züchtigungsrechtes fällt; 
3. weil ihre Härte häufig nicht in angemessenem Verhältnis 
zu den Delikten steht, für welche sie angewendet wird; 
4. weil sie zwar ein Disziplinarmittel allerersten Ranges 
ist, aber den eigentlichen Zwecken der Erziehung direkt 
entgegen wirkt;
	        
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