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Erziehungsmittel in den Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

  Erziehungsmittel in den Rettungsanstalten.	85

dos unter den Zöglingen, nun diese möge man so fest verwahren, daß ihnen ein Entweichen unmöglich gemacht wird. Aber nicht nur die ganz Rabiaten werden mit so schweren Strafen bedacht, daß sie lieber hingehen und ihren Mitmenschen die Schädel einschlagen, oder ihnen Haus und Hof über dem Kopfe anzünden, nein, die neroenzerrüttende Angst treibt ganz harmlose Zungen zu den schwersten Verbrechen. Wenn man den Herren Anstaltsleitern, trotz der Mißgriffe, vielleicht hier und da noch zuzugeben bereit sein mag, sie hätten sich bei Desertionen nicht anders zu helfen gewußt, um die Disziplin aufrecht zu erhalten: mußten die Leiter einer großen Anstalt in Br. vor Gericht nicht zugeben, es wären Prügel für Uebertretung des Redeverbotes bei der Arbeit in Anwendung gekommen? In Br. gilt also der Schnallbock als geeignetes Strafmittel für schmähende Kinder! Müssen einem nicht solche Vorkommnisse das Blut ins Gesicht treiben, so daß man mit einem Fluche dazwischen fahren möchte?! Ist denn eine „Erziehungsanstalt" ein Zuchthaus?

Und wenn man versucht, diesen Vorkommnissen gegenüber sich auf den formalen Rechtsstandpunkt zu stellen, so würde die Einführung des Fürsorgegesetzes also gestattet haben, daß die Prügelstrafe für Jugendliche bis zum 21. Jahre wieder eingeführt sei. Und zwar nicht nur für Knaben und Jünglinge, sondern wie die jüngst bekannt gewordenen Vorgänge beweisen, sind Prügel auch in Mädchenheimen eine alltägliche Tatsache und ein Herr Pastor vollzog in G. diese Strafe sogar höchst-eigenhändig an demnächst großjährig werdenden Mädchen. In einem anderen Magdalenenhause taucht man die Zöglinge zur „Unterdrückung der Fleischeslust" in regelmäßig wiederkehrenden Zeiträumen, auch im Winter, in eiskaltem Wasser vollständig unter. Wundert man sich da noch, wenn so gepeinigte Menschen sich lieber der Justiz überantworten, die, wenn sie auch hart ist, doch wenigstens die Folter nicht kennt? Soll man zu aller Benachteiligung durch das Schicksal noch das Vorrecht fügen, diese Unglückliche Jugend, vielleicht wegen kleiner Dummheiten, oder
        
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