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Erziehungsmittel in den Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

80 Großstadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

angeordnet. Die meisten Delikte kommen vor einen eigenen Gerichtshof der Zöglinge, die, nebenbei bemerkt, den Ehrenschild der Anstalt mit wahrem Feuereifer blank zu halten suchen.

Dagegen sind sonst in vielen Anstalten die schwersten Prügelstrafen gang und gäbe. Auch hier soll von Namensnennungen abgesehen werden, da der Zweck dieser Abhandlung ja nicht der ist, Sensation zu machen, sondern auf bestehende Mißstände nur zu dem Zwecke der Abstellung und Aenderung hinzuweisen.

Die härtesten Strafen stehen immer auf Entlaufen und Widersetzlichkeit. Wenn bei letzterem Delikt auch noch von einer gewissen Berechtigung zur Verhängung der Prügelstrafe gesprochen werden kann, so geht doch oft das Matz derselben weit über das Zulässige hinaus. Der gewöhnliche Gang der Dinge ist der, daß die wieder eingefangenen Zöglinge bis auf Hemd oder Hose entkleidet werden und nun mit zum Teil besonders präparierten Stöcken 25 bis 50 Hiebe erhalten, nachdem sie auf besondere Prügelblöcke geschnallt oder auch mit Händen und Füßen an die vier Pfosten einer Bettstelle festgebunden wurden. Bei der zweiten Entweichung gibt es dann 60 bis 80 Hiebe, bei der dritten 100 und so fort. Da die Zöglinge das natürlich nicht auf einmal aushalten, so liegen zwischen den einzelnen Verprügelungen einige Tage, bis zum Beispiel die beim Prügeln erhaltenen Wunden einigermaßen wieder verheilt sind.

Ein ganz besonders eigenartiges Prügelverfahren, das in der Anstalt B. angeordnet wurde, sei nach den Berichten eines „Eingeweihten" etwas eingehender geschildert:

Etwa eine viertel Stunde vor dem Essen betrat ein Aufseher den Saal und verlas einige Namen, deren Anzahl zwischen zwei bis fünf schwankte. Die betreffenden Jungen mußten „hinunter zum Prügeln". Es ist selbstverständlich, daß sich die Kinder nicht freiwillig zu dieser Prozedur meldeten, manche versteckten sich in ihrer Angst, doch wurden sie bald entdeckt und heruntergeschleift. Den Anlaß zum Prügeln fand man in der Regel darin, daß die Jungen ausgerissen waren. Nach ihrer Miederergreifung bekamen sie vier Wochen lang Hiebe,
        
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