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Die Organisation der Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Die Organisation der Rettungsanstalten.	77

genbe tiefbewegenden Worte in dem Hause der Abgeordneten am 15. März 1904 zusammengefaßt:

„Ich meine, wir haben gerade darum das Fürsorgegesetz gemacht, daß wir sie (die Jugendlichen) vor dem Gefängnis bewahren wollen. Ich bin ein alter Gefängnismann und habe so und sooiele jugendliche Leute durch meine Hände gehen lassen; auch die beste Gefängniszucht kann nicht das erreichen, was die Erziehung außerhalb des Gefängnisses schaffen kann. Wir können draußen viele Mißerfolge haben, und werden sie haben, gerade auf diesem Gebiet, weil die Fürsorgezöglinge uns weglaufen. Es ist von verschiedenen Seiten der Vorschlag gemacht, wir sollten sämtliche Erziehungsanstalten mit einem .Gitter, einer Mauer umgeben; wir sollten, Gott weiß was für Zwangsmaßregeln anwenden. Das wäre das Verkehrteste! Erziehung verlangt immer ein gewisses Maß von Freiheit, und dieses gewisse Maß der Freiheit müssen wir auch dem allerschlimmsten Fürsorgezögling gewähren. Mißglückt es uns zum ersten Male, dann versuchen wir es zum zweiten und dritten Male, und ich erinnere an das alte Bibelwort: Hier sollen wir nicht siebenmal vergeben, sondern siebenzig mal siebenmal."

Mit Recht warnt auch die Statistik des Ministeriums des Innern, die hinsichtlich der Behandlung der Zöglinge auch ähnliche Beobachtungen gemacht haben muß, vor gefängnis-artigen Erziehungsmaßnahmen. Es heißt dort:

„Die Zahl der Entweichungen ist außerordentlich groß, aus den Anstalten fast viermal so hoch als aus den Familien; das ist erklärlich, weil man in den Anstalten die unzuverlässigsten Zöglinge zurückbehalten hat. Es wäre nun verkehrt, um die Entweichungen aus den Anstalten zu verhindern, diesen in ihren inneren und äußeren Einrichtungen einen gefängnisartigen Charakter zu geben. Erziehung verlangt für die Zöglinge neben ernster, wenn es sein muß, strenger Zucht, ein gewisses Maß von freier Bewegung, selbst auf die Gefahr hin, daß es hin und wieder gemißbraucht werden könnte. Allzu enger Zwang, fortgesetztes Mißtrauen wird namentlich für den über 14 Jahre
        
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