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Die Organisation der Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

76 Großstadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

schreiben, daß mancher ernstgesinnte Volksfreund, wie z. B. Prof. Loening, ganz an dem Werte der Anstaltserziehung irre geworden sind, daß einzelne Kommunen mit stürmischer Hast ihre Erziehungshäuser entvölkern, um ihre Kinder in Familien unterzubringen.

Es ist zuzugeben, daß diese die Anstaltserziehung mitz-kreditierenden Vorkommnisse in erster Linie auf Konto der verrohten und aufs tiefste Niveau gesunkenen älteren Jugend geschrieben werden müssen. Direktor Platz sagte einmal, daß die Lösung der Aufgaben an den 18 bis 21 jährigen Burschen und Mädchen etwas neues gebracht hat, daß zu deren Erziehung die bisher angewandte Methode nicht patzte, und datz für die Erziehung dieser Gesunkenen das Buch der Pädagogik erst noch geschrieben werden soll, datz die Praris in der Behandlung dieser Jugendlichen erst noch gelernt werden mutz, da die seither verflossene Zeit noch nicht ausreichte, um die Erziehungskunst dieser Individuen zu ergründen.

Aber Platz konnte auch nicht umhin, ehrlich zuzugestehen, datz Mitzgriffe in der Behandlung dieser älteren Zöglinge gemacht worden sind, datz jene Methode der Anwendung straf-politischer Matznahmen auch in Anstalten schulpflichtiger oder eben erst aus der Schule entlassener Zöglinge vorhanden ist, für die doch ganz gewitz nur Erziehung in Frage kommt. So hoch die Verdienste der Erziehungsanstalten um die Rettung der Verwahrlosten anzusehen sind, die Anwendung gefängnis-artiger und strafpolitischer Erziehungsmatznahmen ist verwerflich und gehört nicht in den Bereich ihrer Aufgaben. Es ist deshalb erfreulich, datz der Breslauer Fürsorgeerziehungstag und auch das preutzische Ministerium des Innern die „Beseitigung des Gefängnischarakters einzelner Erziehungsanstalten" gefordert haben.	'

Es sei nicht zu unterlassen, bei dieser Gelegenheit auf die langjährigen Erfahrungen eines „alten Gefängnismannes", wie er sich selbst nennt, des hochverdienten und lange nicht nach Gebühr geschätzten Geheimrats K r o h n e, des Vaters des Fürsorgegesetzes, hinzuweisen. Er hat diese Erfahrungen in fol-
        
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