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Die Organisation der Rettungsanstalten

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Die Organisation der Rettungsanstallen.	71

nicht durch Strafmaßnahmen, sondern nur durch staatlich überwachte Erziehung vorbeugen will. Es muß die Aufgabe der Fürsorgeerziehung sein, nicht nur die Erziehungsfaktoren der Familie, sondern auch die der bürgerlichen Gesellschaft in der Gemeinde in and erer Fo rm der Jugend nutzbar zu machen, soweit dieselbe infolge der sozialen Lebensverhältnisse versagt haben.

Daraus ergibt sich, das; es verkehrt ist, wenn man in falscher Anwendung des an sich richtigen Wichernschen Prinzips den Grundsatz aufstellt, die An st alt soll die Familie ersetzen. Das ist eine einseitige Beschränkung der Anstalts-Auf-gaben, die zu verhängnisvollen Irrtümern und Nachteilen geführt hat.

Sind die sogenannten kleineren familiären Anstalten mit 20 bis 80 Kindern wirkliche Familien? Es gibt keine Familie, die 20 bis 80 Kinder besitzt. Und wie kann der mit verwaltungs-technischen Arbeiten überlastete Hausvater einer derartigen „Familie", zugleich auch der Lehrer derselben sein, ohne eine gleichwertige Ausbildung wie die übrige Lehrerschaft empfangen und ohne einen gründlichen Befähigungsnachweis erbracht zu haben? Ist der vielgcplagte, schient bcso.dete, in sehr vielen Fällen nicht einmal pensionsberechtigte Hausvater auch nur imstande, Feld- und Gartenbetrieb zu versehen und zu gleicher Zeit die Pflichten des Vaters und Lehrers zu erfüllen, welche jede fürsich allein eine volle Manneskraft erfordern? Kann er bei seinen 20—80 Kindern individualisieren? Allen besonderen Talenten und Fähigkeiten der Kinder gerecht werden, und sie allseitig und harmonisch entwickeln? Nein, und dreimal nein! Trotz aller anerkennenswerten heroischen Aufopferung und allem Idealismus, der ihn beseelt, trotz aller Pflichttreue: solang ihm der Unterricht nicht von zuständiger Seite abgenommen wird, kann er nicht mit Erfolg väterliche, erziehliche und wirtschaftliche Funktionen üben, wie die Eltern, denen die Kinder von Staatswegen fortgenommen werden, um ihnen eine erhöhte Fürsorge zuteil werden zu lassen, mit Fug und Recht fordern können.
        
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