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Die Herkunft der Fürsorgezöglinge

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

66 GroWadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend. 
ebenso wertvolles wie interessantes Material beigebracht?) 
Er wies nach, daß bei der Mehrzahl der verwahrlosten Kinder 
die Schuld auf Seilen der Eltern bezw. des ganzen Milieus liegt, 
aus welchem die Zöglinge stammen. Seiffert hat über 354 Zög¬ 
linge, soweit es irgend möglich war, genaue Nachforschungen 
angestellt. Da hat sich denn herausgestellt, daß fast stets die 
Eltern schon geistig oder moralisch minderwertig waren. So waren 
von den 354 Eltern 75 wegen Diebstahls, 46 wegen Trunksucht, 
16 wegen Unzucht vorbestraft. 35 hatten unehelich geboren; 
allgemeiner verwerflicher Vernachlässigung hatten sich 50 Eltern 
schuldig gemacht. An Idiotie und Taubstummheit litten 4. In 
schädigender großer Armut lebten 53. Somit bestand bei 222 
ein direkt schuldhaftes Verhalten, und noch 57 Eltern halten 
den Kindern nicht die genügende Pflege zuteil werden lassen 
können und von 354 hatten 279 Eltern, d. h. über '/g, ihren 
Kindern nicht die zu ihrer normalen Entwicklung nötige Er¬ 
ziehung gegeben. Ueber das Vorleben der Zöglinge, das selbst¬ 
verständlich, wenn sie einem solchen Sumpfboden entsprossen 
sind, kein einwandfreies sein kann, gibt Direktor Seiffert fol¬ 
gende Zahlen: Von 354 Zöglingen hatten nur 9 
keine Missetat hinter sich, doch zeigt sich in den ver¬ 
schiedenen Altersstufen ein großer Unterschied. Von den schul¬ 
pflichtigen Mädchen waren nur 6 Proz. wegen ihrer Vergehen 
schon gerichtlich bestraft, von den schulentlassenen 12 Proz.; 
von den 6—14 jährigen Knaben waren gleichfalls 12 Proz. 
bestraft. Nun steigert sich der Prozentsatz: von den 14 bis 
16 jährigen Jungen, also halbreifen Burschen, Lehrlingen usw. 
waren 48 Proz. gerichtlich bestraft und gar von den älteren 
16—21 jährigen Burschen 70 Proz. Während sich bei den 
schulpflichtigen Kindern, wie bei den 14—16 jährigen Jungen 
*) Der bei Hermann Beyer & Söhne, Langensalza, erschie¬ 
nene Bericht über diesen Kongreß, auf welchem hervorragende Auton 
taten die Kinderforschung behandelten, sei jedem Kinderfreunde warm 
zum Studium empfohlen. Sowohl die Plenar-Verhandlungen, als 
auch die der Anthropologisch-Psychologischen, der Psychologisch- Pä¬ 
dagogischen und der Philantropischen Sektion bieten eine Fülle von 
Anregungen.
        
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