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Einwirkung ungünstiger sozialer Verhältnisse auf die Erziehung

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

58 Großstadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

mit Trunksucht und geschlechtlichen Ausschweifungen der Eltern, daß ferner auch Armut häufig nachweislich der Trägheit der Eltern entspricht, kann nicht geleugnet, aber auch hier nicht in Betracht gezogen werden. Armut, verbunden mit Krankheit und Schwächlichkeit der Eltern steht unter den gefährdenden Umständen obenan. Eine sehr traurige, besonders bemerkenswerte Folge materieller Not ist es, wenn die heranwachsenden Kinder vor dem üblichen Termin der Schulentlassung vorn Schulbesuch dispensiert werden müssen, um mitverdienen zu helfen. Vorzugsweise handelt es sich in diesen Fällen um den Sohn, der 13 Jahre alt, als Laufbursche eingestellt wird, in einen Beruf hinein, der viel Gelegenheit bietet zur Begehung strafbarer Handlungen und keine Gelegenheit zum Lernen und zur Weiterentwicklung.

An zweiter Stelle steht die Aussichtslosigkeit der Kinder, welche auf hartem, die Aufsichtspflichtigen den ganzen Tag fernhaltenden Erwerbszwange beruht; viele mal war sie die Ursache der Verwahrlosung von Kindern, und um so ergreifender wird hier dies bittere, verhängnisvolle Mutz, als es sich in sämtlichen Fällen um verwitwete oder böswillig verlassene Ehegatten handelte.

Für kranke, verkrüppelte, blinde oder mit sonstigen Gebrechen behafteten Kinder und für schwachsinnige und physisch abnorme Minderjährige ist in vielen Fällen zu sorgen. In dem einen, es handelte sich um zwei Geschwister, waren idiotische Kinder, in den ersten Lebensjahren stehend, unterzubringen; ferner waren Kinder im schulpflichtigen Alter, welche in ©e* fahr der Verwahrlosung standen oder durch ihre psychische Abnormität zu einer unerträglichen Last und zur Gefahr für ihre Familiengenossen wurden, zu versorgen. Davon waren alle, bis auf zwei, weiblichen Geschlechts und standen tm Alter von 15—19 Jahren. Dre eine war eine Gewohnheitsdiebin, eine andere äußerst reizbar, heftig und unverträglich, während alle übrigen wenig gefährliche harmlose Wesen waren. Die Hilfs-bedürftigkeit beruhte darauf, daß sie bei ihrer Geistesschwäche zu keiner ordentlichen Arbeit tauglich waren, aus jeder Arbeits-
        
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