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Die verschiedenen Formen der groben Vernachlässigung

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

56 Eroßstadt-Dokuinente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend. 
trale die ältesten fünf Kinder in seine Anstalt, für das kleinste 
war ein Platz in Zionshilfe erwirkt, aber ehe das Kind dorthin 
überführt werden konnte, hatte es die Mutter anderswo unter¬ 
gebracht, und es konnte nicht festgestellt werden, wo es sich 
befindet. 
Arbeitsscheu der Eltern trat in 7 Fällen auf. Es betrafen 
diese Fälle sämtlich normale Ehen einmal war es die Arbeits¬ 
scheu des Vaters, dreimal die der Mutter, dreimal beider Eltern, 
welche zur Verwahrlosung der Kinder führte. — Auf einen dieser 
Fälle wurde die Zentrale für Jugendfürsorge durch die 
Nachbarn aufmerksam gemacht, welche sich brieflich an dieselbe 
wandten. Der Familienvater, der bei Lebzeiten seiner Frau 
sich von ihr hatte ernähren lassen, trieb sich nach ihrem Tode 
den ganzen Tag über bummelnd herum und hinterließ morgens, 
wenn er wegging, seinen 3 Kindern im schulpflichtigen Alter 
nicht mehr als 10 Pfennig zum Lebensunterhalt für den ganzen 
Tag. Die Nachbarn schrieben voller (Empörung, sie wollten 
ja wohl den armen Kindern helfen, doch nicht, um den Vater 
in seiner Arbeitsscheu zu unterstützen. 
Trunksucht, verbunden mit Arbeitsscheu oder Unzucht, bil¬ 
deten weitere Momente der Gefährdung. Ferner bildeten Ehe- 
strettigfeiten, verbunden mit der Sorge für die Person der 
Kinder, den Umstand, welcher die Intervention der Zentral¬ 
stelle für Jugendfürsorge in Berlin erforderlich machte. Einmal 
sonnten wir dabei einer Mutter zu ihrem ihr mit Unrecht vor¬ 
enthaltenen Kinde verhelfen. In den anderen Fällen lag Schuld 
auf beiden Seiten vor, und es waren die Kinder da zu belassen, 
wo sie waren, weil sie es bei dem anderen Teile nicht besser 
hatten. 
Unsittlicher Lebenswandel der Eltern gefährdete die Kin¬ 
der in vielen Fällen. — Die Mutter Prostituierte oder der 
gewerblichen Unzucht verdächtig; der Vater ausgerückt und 
mit einer anderen im Konfubinat lebend; oder auch die Mutter 
mit einem Schlafburschen ausgerückt, der Mann mit einer Wirt¬ 
schafterin in schamloser Weise verkehrend; oder auch die Mutter 
geschlechtskrank, treibt sich herum, der Vater bringt sich in ihrer
        
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