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Sittliche und körperliche Gefährdung unehelicher Jugendlicher

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

50 Grotzstadt-Dokumente Bd.49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

genommen, aber ich habe noch nichts verraten. Und das Kleid hast Du mir gekauft. Ich habe schon auf der Polizei mußt kommen. Der Bürgermeister hat mir rückwärts und vorwärts gefragt, ich habe aber immer gesagt, ich habe es nicht. Und ich werde es auch nicht sagen. Also lieber Vater, sei doch so gut und sage, Du hast es mir gekauft. Denn Du kannst ja auch sehr gut schwindeln. Sonst wenn es raus kommt, mutz ich sitzen. Es weiß keiner nichts davon. Ich habe s schon am 27. September geklaut, es hat auch keiner nichts gesehen, daß ich bei ihm war. Er war bei uns saufen, und hatte hinten aufgelassen, da habe ich mir genommen. Also lieber Vater, sei so gut und sage, Du hast es mir gekauft. Ich werde euch, wenn ihr alt seid, eine Freude bereiten. Ich will es nicht mehr tun. Es tuht mir sehr leid. Aber ich beftreite, rauskommen darf es nicht. Also liebe Eltern schreibt nichts Marie. Lieber Vater du weißt doch, ich habe nichts gesagt, wo du das Potmone von dem Mann behalten hast, der es verloren hat. Also sei so gut und sage, Du hast es mir gekauft. Ich streite so toll wie ich kann. Es dürf nichts musfommen. Nachher wenn es vorbei ist, verklagen wir den A. wegen Beleidigung. Also liebe Eltern sagt so. Ich verrate nichts, sonst hänge ich mich auf. Schreibt nichts Marie."

Bei dem zuständigen Landrat wurde von der Zentralstelle Antrag auf Fürsorgeerziehung nach Strafverbüßung gestellt. — Ob sie in diesem Falle auch nur das Geringste fruchten wird?

Mannigfach hatte die Zentralstelle es mit schulentlassenen Mädchen zu tun, die in Gefahr standen, der gewerbsmäßigen Unzucht zu verfallen. In zwei dieser Fälle konnte der Lebenslauf der Minderjährigen zurückverfolgt werden. Er enthielt ebensvviele Anklagen gegen einzelne Dritte, wie gegen die gesellschaftlichen Zustände. Das eine Mädchen war das Rind einer Schneiderin und eines Grafen. Es war gleich nach seiner Geburt von seiner Mutter für eine einmalige Abfindung an fremde Leute auf dem Lande gegeben worden. Die Mutter hatte sich nie wieder nach dem Mädchen erkundigt. Bald nach seiner
        
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