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Sittliche und körperliche Gefährdung unehelicher Jugendlicher

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

  Sittliche und körperliche Gefährdung unehelicher Jugendlicher. 47 
liebte Kind wieder zu sich nehmen zu können! Inzwischen ist 
es ihr gestattet worden, das Kind in der Anstalt zu besuchen. 
Relativ häufig erschien das uneheliche Kind auch bei seiner Mutter 
oder seinen mütterlichen Verwandten gefährdet, und zwar 
tarnen vor: Mißhandlungen seitens der unehelichen Mutter, 
Trunksucht und Arbeitsscheu der Mutter, die zur Vernach¬ 
lässigung des Kindes führten; Prostitution der Mutter, 
Armut derselben und Geisteskrankheit bedrohten ebenfalls das 
Kind. 
Ein Fall der letzteren Art war äußerst traurig. Die Mutter 
(Näherin) hatte sich nach der Geburt des Kindes von ihren 
Verwandten getrennt und lebte für sich allein. Von einem 
leicht verletzbaren Stolze beseelt, hatte sie immer die Hülfe 
der Verwandten abgelehnt und mit einem gewissen Fanatismus 
versucht, das Kind und sich selbst von ihrer Hände Arbeit zu 
ernähren. Jetzt, wo der Knabe 10 Jahr alt ist, ist sie nerven¬ 
krank und geistig gestört. In den vormundschaftsgerichtlichen 
Asten ist hierzu bemerkt, „wahrscheinlich durch Ueberanstren- 
gung“; sie ist von dem Wahne befallen, man wolle ihr das Kind 
rauben und es umbringen. Sie läßt es nun nicht mehr heraus 
und hat gedroht, wenn man es ihr nehmen wolle, würde sie sich 
mit dem Kinde aus dem Fenster werfen. Verschiedene Besuche 
unserer Recherchentin haben die unglückliche Mutter etwas be¬ 
ruhigt, so daß sie das Kind wieder zur Schule schickt. Auch 
wird versucht, durch Zuwendungen an die Mutter der Unglück- 
liehen, welche in ihrer Nähe lebt, in unauffälliger Weise ihre 
materielle Lage zu bessern. 
Mehrfach waren heranwachsende uneheliche Mädchen in 
der Familie ihrer Großeitern sittlich gefährdet. Zwei dieser 
Fälle mögen hier verzeichnet werden: Luise P. lebte bei ihrer 
-Großmutter, welche Wäscherin ist. Dem Haushalte gehören 
auch noch zwei erwachsene Söhne der Großmutter an, welche 
von Beruf Atlethen sind und sich häufig ihre Freundinnen mit¬ 
bringen. Es werden dann sehr laute Feste gefeiert, bei welchen 
auch noch eine verheiratete Schwester dieser Brüder erscheint, 
die im Verdacht der gewerbsmäßigen Unzucht steht. Das stark
	        
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