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II. Milieu und Erziehung. Die Gefährdung der Jugend durch die Wohnungsmisere

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Die Gefährdung der Jugend durch die Wohnungsmisere. 27 
lichen Kindern. Für alle diese Personen waren zwei Betten 
vorhanden. 
Man darf es mit Recht für einen großen Segen halten, 
daß die Fürsorgegesetzgebung es ermöglicht hat, die Aermsten 
dieser Armen, die unglücklichen Rinder, solchen schaurigen Ver¬ 
hältnissen zu entreißen. Ob es der Fürsorgeerziehung aber 
überhaupt noch möglich ist, die schweren, nicht ausgebliebenen 
körperlichen und sittlichen Gebrechen an diesen Kindern auch nur 
zum Teil zu heilen, das darf wohl beinahe bezweifelt werden. 
Unter 80 Fürsorge-Aktenstücken, die dem Landesrat 
Schmidt vorgelegen haben, war 40 mal die Rede von Blut¬ 
schande, verübt von Vatern an ihren Töchtern, oder von 
schwerer Kuppelei, gewerbsmäßiger Unzucht und dergleichen. 
Es handelte sich dabei in nur fünf Fällen um Wohnungen von 
drei Räumen, in 21 Fällen um solche von zwei Räumen, und 
in 49 Fällen um solche von nur einem Raum, in den übrigen 
Fällen fehlten die entsprechenden Angaben. Es hausten 319 Kin¬ 
der und 142 Erwachsene in 112 Räumen, also mehr als vier 
Personen in je einem Raume. 
Bedarf es wirklich noch weiterer Ausführungen, um die 
Notwendigkeit der Anbahnung einer Mohnungsfürsorge großen 
Stils zu erweisen? Im Interesse unserer heranwachsenden 
Jugend zu erweisen?
        
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