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I. Allgemeines. Jugend-Fürsorge, Fürsorge-Jugend

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

  Jugend-Fürsorge — Fürsorge-Jugend. 15 
Auf 100 000 jugendliche Personen kamen Verurteilun¬ 
gen im Durchschnitt der Jahre 
1882/1886 .... 564 
1886/1891 .... 618 
1892/1896 .... 707 
1896/1901 .... 733 
Sehen wir uns die Delikte an, wegen welcher die 51498 
jugendlichen im Jahre 1905 abgeurteilten Personen sich zu¬ 
schulden kommen ließen. Obenan stehen die Verbrechen gegen 
das Vermögen, also Diebstahl, Unterschlagung, Raub, Er¬ 
pressung. Hehlerei, Betrug, Urkundenfälschung usw. Unter den 
Verbrechen gegen die Person folgen der Anzahl der Verbrechen 
nach: gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedens¬ 
bruch, Unzucht und Notzucht; eine sehr bedeutende Rolle spielen 
bei den jugendlichen Rechtsbrechern ferner Sachbeschädigung, 
Brandstiftung, Nötigung und Bedrohung, sowie Mord und 
Totschlag. 
Dazu kommt als äußerst bedenkliches Symptom, daß die 
Vorbestraften unter den jugendlichen Verurteilten in einer rapid 
anwachsenden Zunahme begriffen sind. Die große Zahl der 
Rückfälligen zeigt uns, daß aus diesem Heere junger Gesetzes¬ 
brecher alle jenen staats- und gesellschaftsfeindlichen Elemente 
hervorgehen, deren schaudervolle Taten unserer so hoch ge¬ 
priesenen Kultur Hohn sprechen. Innerhalb eines Zeitraumes 
weniger Jahre stieg die Zahl der jugendlichen Rückfälligen, 
sage und schreibe bis zu 78 Prozent, und zwar zeigt sich be¬ 
sonders, daß die vor dem 18. Jahre Bestraften unweigerlich 
in unverhältnismäßig vielen Fällen zu Berufsverbrechern 
werden. 
Wenn wir aus diesen überaus traurigen Ergebnissen der 
^riminalstatistik eine Lehre ziehen können, so ist es die, daß 
das unserer Justiz fast ausschließlich zur Verfügung stehende 
^trafmittel der Freiheitsstrafen vollkommen versagt hat. Diese 
Mißerfolge in der Bekämpfung des jugendlichen Verbrecher¬ 
tums müssen zu der Einsicht führen, daß hier vorbeugende 
Maßnahmen nicht nur wirksamer, sondern auch wohlfeiler sein
        
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