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I. Allgemeines. Jugend-Fürsorge, Fürsorge-Jugend

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

14 GroWadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

derart in der Minderzahl, daß man auf die originäre Anlage in erster Linie nicht in soziologischer Hinsicht zu achten hat, sondern in psychologischer. Daß diese jugendlichen Psychopathi-schen aber erst recht einer genügenden erziehlichen Einwirkung bedürfen, ist natürlich und selbstverständlich.

Wenn vorstehend versucht wurde, in flüchtigen Strichen das Gebiet der Jugendfürsorge zu begrenzen, so wird selbst nach dieser unvollkommenen Skizzierung klar sein, ein wie gewaltiges Feld es hier zu beackern gilt. Sind doch beispielsweise die sanitären Maßnahmen zur Eindämmung der Säuglingssterblichkeit, die Kindespflege im Hause und in der Krankenanstalt usw. noch gar nicht erwähnt worden. Eine weise Beschränkung wird aber dahin führen müssen, in diesem Zusammenhange mehr der Jugendfürsorge zu gedenken, wie sie das soziale Treiben der Großstadt erforderlich macht, es werden also in erster Reihe die Krankheitserscheinungen, die Auswüchse am Körper der Riesenstädte sein, soweit sie die heranwachsende Iugend betreffen, die unsere Aufmerksamkeit fesseln.

Mit vollem Recht darf man aber hierbei von geradezu bedrohlichen Erscheinungen sprechen, zumal die Gefährdung und Verwahrlosung der großstädtischen Iugend soweit gediehen ist, den Ziffern der Kriminalstatistik eine immer reichere Nahrung zu geben. Es muß als sehr bedenklich bezeichnet werden, daß die jugendlichen Rechtsbrecher einen unverhältnismäßig großen und stets wachsenden Anteil an den Verurteilungen überhaupt stellen. Einige wenige Zahlen mögen darüber Aufklärung geben. Es wurden verurteilt:

In Deutschland	Jugendliche	Ueberhaupt
Jahr	(12-18 Jahr)	
1883	30 719	329 968
1900	48 657	469 819
1901	49 667	497 310
1902	50 966	512329
1904	50 028	516976
1905	51498	520356
        
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