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I. Allgemeines. Jugend-Fürsorge, Fürsorge-Jugend

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

12 Grohstadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend.

in ihres Lebens frühester Blüte tief unglücklich sind. Wir müssen denken an die, die mit irgend einem körperlichen Gebrechen, Krankheit und Siechtum schon so früh behaftet sind, an die Blinden, Tauben und Stummen, die Tuberkulösen und Rachitischen, an die Epileptischen und Verkrüppelten, an die Minderwertigen, die Idioten, die Geistesschwachen, und schließlich auch an die jugendlichen Bettler und Landstreicher, die Verbrecher und an die zum Teil sogar noch kindlichen Prostituierten.

Nun gibt es freilich noch immer — leider — viele, denen das alles als überflüssig erscheint, die gleichfalls mit einem Schlagwort schnell bei der Hand sind, und die Fürsorgebestrebungen einfach damit abtun wollen, daß sie ihnen das Etikett „Humanitätsduselei" aufpappen. Es wird so vielfach eingewendet, daß es die nächste und heiligste Pflicht der Eltern sei, für ihre Kinder zu sorgen. Wie wenig kennen doch solche Widersacher das wirkliche Leben! Der aufgestellte Satz ist unbedingt richtig, aber Hunderttausendfache Erfahrung hat gelehrt, daß sich die Fälle eben nicht aus der Welt schaffen lassen, bei denen ein Eingriff in das ureigenste Gebiet der Familie sich als unumgänglich erweist, ja wo sogar den öffentlichen Gewalten die unabwendbare Pflicht obliegt, sich der gefährdeten Jugend anzunehmen. Auf armenrechtlichem Gebiete geschieht das — oder sollte wenigstens geschehen — überall da, wo die natürlichen Ernährer aus irgend welchen Gründen nicht in der Lage sind, sich der hilflosen Ihrigen anzunehmen. Und wie vielfach sind Veranlassungen zum Eingreifen hier gegeben.

Es sei dabei sogar einmal ganz abgesehen von der sogenannten freien Liebestätigkeit, die sich noch unter einigermaßen normalen Familienverhältnissen betätigen kann, die das junge Menschenkind begleitet durch das Säuglingsalter, ihm auch weiter noch in Kindergärten und Ferienkolonien wahrend der Kindheit zur Seite steht und es auch im vorgerückten Alter noch nicht verläßt, wovon die Erziehungsbeiräte, Jugendheime usw. erfreuliche Kenntnis geben. Sehen wir uns vielmehr einmal die Anlässe zu den notwendigen noch ernsthafteren Eingriffen näher an. Daß die öffentliche Fürsorge sich der Waisen,
        
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