Path:
Preface

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

wäre wahrlich zunächst wichtiger, als das Strümpfestricken für die Negerkinder. Also Freiwillige vor zur Arbeit an unserm Volke.

Unser Hauptaugenmerk muß deshalb bleiben, die jungen Menschenkinder in eine reinere Atmosphäre zu versetzen, sie aus dem Schlamm der traurigen Kindertage herauszuheben.

Es ist auch herzerfreuend, zu sehen, wie gern unsere Iungens in den langen Winterabenden weiter lernen.

Wie oft sind sie in der Schulzeit „hinter die Schule gegangen".

Jetzt macht ihnen der	Unterricht,	von den besten	Lehrkräften aus

der nahen Kreisstadt Reppen wöchentlich dreimal erteilt, sichtlich Freude.

Beim Schluß der Unterrichtsperiode, wenn die Arbeit auf dem Felde wieder alle Kräfte in Anspruch nimmt, weiß man nicht, wem man mehr Anerkennung zollen soll — den Lehrern oder den Lernenden.

Die Jungen bleiben nun solange in der Anstalt, bis sie soweit gefestigt erscheinen, daß man	sie wieder	in	Dienst oder	Lehrstelle geben

kann. Wenn die Jungen Neigung haben, erlernen sie ein Handwerk, die übrigen finden vorwiegend in der Landwirtschaft Beschäftigung, wo sie fern von den unheilvollen Einflüssen der Großstadt zu tüchtigen Menschen heranwachsen sollen. Wo	es möglich	ist,	werden die	Jünglinge zum

freiwilligen Eintritt in das	Heer oder	die	Marine, und	wenn angängig

zum Weiterdienen angehalten. Diese unsere Bemühungen sind schon heute von ganz hübschen Erfolgen begleitet. Und in den Kämpfen Deutsch-Südwcstafrika haben unsere ehemaligen Zöglinge schon tapfer mitgefochten.

Also: Liebe zur Heimat, Liebe zum Vaterlande, eine entsprechende körperliche, geistige und wirtschaftliche Ausbildung, das sind die Waffen, mit denen wir die Verwahrlosung zu bekämpfen suchen. Jede industrielle Ausbeutung der jugendlichen Arbeitskraft ist ausgeschlossen, im Gegenteil suchen wir das wirtschaftliche Interesse der uns Anvertrauten stets und in erster Linie wahrzunehmen, erst dann kommt das Anstaltsinteresse.

Bei der kurzen Zeitdauer seit Einführung des Fürsorgeerziehungsgesetzes haben sich selbstverständlich aus der Praris die Ansichten über die Handhabung der Erziehung erst klären müssen, heut will es mir scheinen, als wenn das Prinzip gefängnisartiger Abschließung der Zöglinge wenigstens für die Arbeit der auf den Grundsatz der christlichen Nächstenliebe basierten Anstalten der inneren Mission, wie es unser Verein ist, nicht paßt.

Gern zugegeben sei, daß es hart gesottene junge Verbrecher gibt, bei denen nur eiserne Strenge zu nützen imstande ist; diese gehören in strengere militärische Zucht, wie sie bei uns in der Provinz Brandenburg, beispielsweise in Zühlsdorf, mit vielem Erfolg betrieben wird.

Wir kämen also, meiner Ansicht nach, zu einer gangbaren Arbeitsteilung. Die verdorbensten Elemente gehören in die strengste Zucht der Provinzialbehörden. D«s Aufsichtspersonal — so schwer gut geeignet zu
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.