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Preface

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Die traurige Lage des Kleinmüllereibetriebes veranlaßte den Besitzer zum billigen Verkauf seines Grundstücks.

Wir senkten das Staubassin» den Buschsee, mit Genehmigung des Besitzers um 90 Zentimeter und schufen dadurch aus Moorland beste Ackerflächen und kleereiche Wiesen.

Die V u s ch m ü h l e, ein wahrhaftes Idyll (m Eilangtal, bewohnen jetzt 30 Fürsorgezöglinge.

3ch habe den Versuch gemacht, die Jungen dort als freie Hilfskräfte in den Rahmen einer bäuerlichen Wirtschaft einzupassen.

Kein zweckloser Zaun, keine Mauer hindert sie am Entweichen.

Selbstverständlich läuft dann und wann ein Junge fort.

Die geträumte goldene Freiheit lockt sie. Trotz des meist trüben Resultates: Hunger, erfrorener Gliedmatzen und der ganzen Misere des ^roßstadtlebens, die ihrer wartet.

Dem Zwang der Erziehung wollen sie sich entziehen, doch dies geschieht, buchmäßig nachweisbar, bei weitem seltener, wie im Zwinguri der geschlossenen Anstalt.

Am Rande des neuerworbenen Wiesengeländes, aber auf gesundem Sandgrunde erbaut, erhebt sich jetzt seit Jahresfrist eine weitere Fürsorgeerziehungsanstalt : S e e h o f.

Wie in Vuschmühle: 30 Jungen unter einem verheirateten Haus-oater. Zwei Erziehungsgehilfen stehen ihm zur Seite.

Eine bäuerliche Musterwirtschaft, in der jeder Junge seinen Posten hat.

Er muß pflügen, Pferde und Kühe besorgen lernen, die Schweinezucht und die Geflügelhaltung als verantwortlicher Fütterer kennen lernen.

Es ist eine Freude, zu sehen, wie der arme Grotzstadtjunge Lust und Liebe an den Tieren gewinnt, die er kaum vordem gekannt.

Mir ist ein Moment aus letzter Zeit in freundlicher Erinnerung, wo ich einen dieser Jungen, den Beherrscher des — Schweinestalls in Seehof dabei überraschte, wie er die Reste seines Frühstückbrotes seinen kleinen Pfleglingen, die ihn grunzend umstanden, überließ.

Ich habe selten so leuchtende Augen gesehen, wie damals, als ich den Jungen ob des erfreulichen Zustandes seiner Pflegebefohlenen lobte.

Es kann überhaupt nicht genügend hervorgehoben werden, wie dankbar die Fürsorgezöglinge für ein anteilnehmendes, freundliches Wort ihrer Erzieher sind.

Merst haben sie ja in ihrem jungen Leben nur Zank, Streit und ekelhaften Schmutz kennen gelernt.

Ich möchte einmal eine Statistik sehen, wie oft den armen verwahrlosten Jungen und Mädeln ein Ehristbaum geleuchtet hat, wieviel von ihnen ein deutsches Familienleben überhaupt kennen gelernt haben. Es ift so leicht, den Stab zu brechen über Verworfenheit unsrer Jugend.

Ein klein wenig mehr Interesse an den Kindern unseres Volkes,
        
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